Albumcheck | Line In The Sand von Close Your Eyes

Eine feine Hardcore/Punk-Granate hatten uns die Texaner Close Your Eyes damals mit der Scheibe „We Will Overcome“
präsentiert. Wer sich noch an „Digging Graves“ oder „Something Needs To Change“ erinnert, wird das wohl abnicken
und hoffte vielleicht auch, dass es genau so weitergeht. Tat es dann auch, denn das zweite Album entpuppte sich
als würdiger Nachfolger mit mehr Punk-Anteil. Was bieten die ambitionierten Musiker auf dem dritten Output ?

Als Intro gibt`s ein kleines „Post-Hardcore“-Intermezzo. Es ist diese Art Einstimmer, die einfach Appetit auf mehr
machen. Und mehr bekommt man dann auch, denn der Opener „Burdened by hope“ ist ein Knaller in alter Tradition
mit Anleihen von Comeback Kid und Hardcore-Schwergewichten wie Terror, Moshpart inklusive.

Besser kann eine Scheibe kaum starten und das wird vermutlich auch DIE Live-Nummer sein, die dann alle nach vorne holt. „Days of Youth“ schlägt eine etwas andere Kerbe und baut auf melodischen Punkelementen auf, ohne sich aber zu weit vom Bandkonzept zu entfernen. Ähnliches gilt für den Titelsong, der auch zu den stärksten auf dieser Scheibe gehört. Der Refrain brennt noch lange nach und ab der zweiten Hälfte wird dann richtig schön losgeholzt…Chorus,Growls und Melodie bestens aufeinander abgestimmt. Ruhiger können sie auch und das spricht sicher auch den einen oder anderen nach dem Rausch der ersten Songs  an. Singen kann der neu zu der Band gestossene Sam Robinson jedenfalls auch fernab der härteren Gangart, was ihn auch bei den alten Fans nicht die Bredouille bringen sollte.

Die große Stärke der Band war immer schon das Gefühl für dichte und abwechslungsreiche Strukturen in den Songs. Nicht jeder Band gelingt es zb. das Tempo aus den Songs zu nehmen, um gekonnt Breaks und Übergänge zu schaffen. Hierfür wäre u.a. „Sleeping Giant“ ein gutes Beispiel. Klar, wenn man jetzt ganz verschroben ist, könnte man sagen:“ Hmmm, manche Gesangspassagen kommen schon leicht poppig rüber“. Das kann man durchaus, aber sieht sich dann in wenigen Augenblicken mit völlig anderen Stimmlagen konfrontiert. Ausserdem lässt das gesamte Klangbild solche Eindrücke schnell verpuffen und man widmet sich wieder dem komplexen ,aber stets eingängigen Gesamtbild. Es gibt sicherlich auch „schwache“ Songs. So will „Kings of Max Payne“ ob seiner simplen und zu massentauglichen Machart einfach nicht zum Rest passen. Dem gegenüber steht dann aber so ein Moshpit-Monster wie „Skeletons“, welches die Ursprünge der ruppigsten Hardcore-Machart heraufbeschwört.

Was aber auf jeden Fall passt, ist der richtige Mix aus Punk, melodischem Hardcore und schnellem Rock. Hier haben sie eigentlich noch nie so richtig daneben gegriffen und zeigen, dass man mit gewitztem und eigenständigem Songwriting eine Menge Abwechslung in die Genre-Landschaft bringen kann. Tolles Album !

Sam

Trackliste:

01. Deus Ex Machina
02. Burdened By Hope
03. Days Of Youth
04. Line In The Sand
05. Frame And Glass
06. Sleeping Giant (Feat. Tommy Green)
07. Kings Of John Payne
08. No Borders!
09. The End (Feat. Zoli)
10. Higher Than My Station
11. Skeletons
12. Trends And Phases
13. Glory
14. My Way Home
15. Follow The Sun

Spieldauer:

49 min

2 Comments

  1. Daniel sagt:

    Beim ersten mal hören, war ich nicht ganz so begeistert, aber nach und nach bin ich ganz eingenommen davon, ein einem halben Jahr hängt es mir bestimmt wieder zum Hals heraus, aber solange freu ich mich auf meinen Weg zur Arbeit und zurück 🙂

  2. Semy Arfaoui sagt:

    Ist halt ein sehr ambivalentes Album in seiner Machart (Härte vs. Pop) Aber dafür wiederum auch facettenreich und 6 Monate ist ja schon ne steile Zeit 😉

    Sam

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