Albumcheck | The Evil Dead (ARG): Earth Inferno

Cover: The Evil Dead (Argentinien) - Earth Inferno

Cover: The Evil Dead (Argentinien) - Earth Inferno

Endlich weiß ich, was The Evil Dead in den vergangenen fünf Jahren gemacht haben: Seltsame Dinge, die irgendwie mit Metal zu tun haben. Gründlich vergoren. Irgendwas zwischen Reife und Verwesung.

Nach dem Debut „(Pronounce) The Evil Dead“ war es erstmal eine ganze Weile ruhig. Trügerisch, denn die Knaben aus Buenos Aires metzeln wieder! Ich darf aus meiner damaligen (leider viel zu knapp gehaltenen) Review zitieren:

Ein lärmendes Fundament aus Thrash- und Death-Bausteinen stützt eine Stimme, die klingt, als werde ein mutierter Rabe auf einem Grillrost gewürgt.

The Evil Dead (Argentinien)

The Evil Dead (Argentinien)

Im Grundsatz könnte man es noch immer so ausdrücken, wenn die Angelegenheit nicht wesentlich komplexer geworden wäre: in den durchweg sehr abwechslungsreich gehaltenen neun Titeln finden sich nicht nur abrupte Brüche (ok, das war jetzt ein Pleonasmus und damit eher nicht so angesagt), sondern auch jede Menge musikalische Anspielungen. Irgendwo beispielsweise während des Titels „Electric Evil Revisited“ (anknüpfend an „Electric Evil Revival“ auf Pronounce) werden für einen kurzen Moment Klänge wie Metallicas „Kill’em all“ et al. zitiert, eingebettet in irgendetwas, was klingt, als würde jemand (berechtigterweise) Hard Rock nicht ganz ernst nehmen und mit dem schweren Metallhammer zu Klump schmieden wollen.

Weiters wird der rabiate, aber melodische Thrash-Death-Mix gespickt mit Licks aus dem klassischen Rock’n’Roll der späten Fuffziger, typischen Show-Fanfaren (Ta-Ta-Ta-Taaaaa!), Volksmusikmelodiebrocken (!)  und weiteren Ingredienzien, die den Verdacht aufkommen lassen, es sei besser, nicht alles zu ernst zu nehmen. Oder, wie ich im Interview zum Debutalbum einwarf:

„Tatsächlich klingt Euer Album wie der Soundtrack glücklich tanzender Dämonen in einer fröhlichen Hölle.“

Was auf „Earth Inferno“ auch zutrifft. Allerdings mit sehr viel mehr Aufwand und Bombast als damals. Fast plüschig. Monty Python des B-Movie-Horror-Splatter-Wasweißich in musikalisch.

Dankenswerterweise übrigens wird auf das ausgelutschte, zur Manier gewordene klimpernde Intro verzichtet. Es gibt ohne Vorwarnung das volle Brett. Mit irgendwie aufs erste Hören epischem Sound. Bis man merkt, das etwas faul ist. Siehe oben.

Ich sollte an dieser Stelle besser zu schreiben aufhören. Man darf auf jeden Fall davon ausgehen, dass The Evil Dead eine (morbide) Freude am Musizieren haben.

Lächelt. Lacht. Aber kauft Euch verdammt noch mal diese Scheibe!

10/10

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

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