Albumcheck | More Jack Than Blues von Jack Bruce + hr-BIGBAND

Komponist / Bassist und Sänger ist Jack Bruce – er ist Jazz, und er sagt von sich „Ich spiele keinen Jazz, ich spiele Jack!“ Durch seinen eigenen Musikstil des 64-jährigen Schotten, zählt Bruce zu den großen Künstlern.

Er legt weniger Wert auf Mode, Schnee von gestern sind die neuesten Technologien. Dem neuen Pop der Jugend setzt er 45 Jahre Berufserfahrung als Musiker dagegen. Er ist Songschreiber, Bassist, spielt Piano und singt selbst. Sein Stil bringt Ihm Ruhm und Ehre ein, auch gegenüber Konkurrenten. Sein Stil ist einzigartig. Kontrabass hat er in den 60-igern in der britischen Rhytm-and-Blues-Szene gespielt. Glaubhaft und authentisch wirkt er auf die Jugend. Die Kids sagen dazu: „Die meisten Kids kennen >Cream<, ich weiß, dass durch die Menge an Post, die ich auf meiner Webseite bekomme. Viele junge Musiker schreiben mir, dass sie >Cream< durch ihre Eltern kennengelernt hätten und von dort zu meinen Soloalben gefunden hätten.

Die Erwartungen an >Cream< waren Frühjahr 2005 sehr hoch. Die langersehnte Zusammenkunft. Die Band hat sich die Frage gestellt, ob alte Magie außerhalb der Rockimprovisation wieder beim Publikum Zuspruch finden. Die Frage, ob psychedelisch geladener Bluesrock über die Grenzen gehen kann. Und es funktioniert! Das beweisen vier Konzerte in London und drei Konzerte in New York. Die Konzerte sind auf DVD und CD produziert. Sie zeigen, daß Band-Chemie und Unvorhersehbares funktioniert.

Macher vom Deutschen Jazzfestival in Frankfurt haben Bruce gefragt, ob er neben klassischen Songs wie >Cream<, seine alten Songs neu reformieren wolle.

Nach den Aufnahmen der Hr-Bigband hat Bruce umgehend zugesagt. Er hat danach Programmveranstalter vom Deutschen Jazzfestival zu sich nach England in sein Haus eingeladen. Es liegt Bruce am Herz in dem Moment, als Herzensangelegenheit das Bigband-Projekt anzugehen. Zu diesem Zeitpunkt diskutiert er mit seinen Frankfurter Gästen, mit welcher Besetzung bestimmte Passagen der Songs ausgearbeitet werden können, Konzertflügel, Bass. Ganz klar ist Ihm das noch nicht wie genau er seine Songs für die Bigband umschreiben kann. Jörg Achim Keller ist der Bigband-Chef, Ihn hat er damit beauftragt, die Songs auf die Bigband umzuschreiben. Er hält die nächsten Wochen stetigen Kontakt mit Keller.

Allen Bandmitgliedern ist innerhalb der Proben, die in Frankfurt starteten klar, dass diese Konstellation Bruce und Big Band ein großer Glücksfall ist. Bei bestimmten Kompositionen wie „Never Tell Your Mother She´s Out Of Tune“ oder „Rope Ladder To The Moon“ haben die Bläser unerwartet eine ungeheuere Strahlkraft. Bruce arbeitet mit dem Produzenten Kip Hanrahan zusammen. Er ist den lässigen lateinamerikanischen Rhythmen und der Vielschichtigkeit verfallen. Das trifft besonders auf die Kompositionen „Milonga“ und „The Consul At Sunset“ zu. Klassische >Cream< Kompositionen wie Spoonful und Sunshine Of Your Love sind im Werk ebenso zu hören. Aussichtspunkte in der Landschaft, die er gern besucht, leidenschaftslose Bezugspunkte sind es für Ihn. Das Re-Composing achtet voller Respekt und schafft Kraft, wie das Solo-Album „Theme From An Imaginary Western.“ Er versucht, seine Improvisationen in neuerliche Werke zu setzen. Für Jack Bruce ist das Werk eine ausdrucksvolle Art der Improvisation, deren Klang stabil und formbewußte ist. Begnadeter Improvisator ist Charlie Parker gewesen, ein Re-Composting Thelonious Monk.

Der improvisierte Zauber zwischen Stimme und Bassfiguren bringt die starke Bigband-Version der Komposition „Born Under A Bad Sign“ mit sich. Es klingt betörend zufällig. Zu seinem Album sagt Bruce: „Bei >Cream< musste ich auf meinem Bass mit der Virtuosität eines Gitarristen den Klangraum füllen! Wir waren ja nur im Trio und deshalb dazu verdammt, viele Noten gleichzeitig zu spielen, wenn wir nicht dünn und drucklos klingen wollten.“ Bruce ist mit seinem bundlosen Instrument seit Jahren zu hören, um den kehligen Gesang mit den Basslinien in einem Einklang zu bringen. Er sagt dazu: „Ich brauche die Freiheit, eine Note zu modulieren, wann und wo ich es will und nicht, wo ein Bundstab es mir vorschreibt.“ Und wirklich, durch den Klang der Wörter und die Instrumententöne entstehen sonische Reibungen, Töne werden aufgehellt, stehen wechselseitig in Beziehung.

Die Hörer haben beim 37. Deutschen Jazzfestival in Frankfurt vernommen, daß die Gesangsstimme von Jack Bruce gereift ist und sich flexibler an die Töne anpaßt und pharasiert. Das Vibrieren der Stimme, um einen neuen Ton zu erzeugen, als Ganzes ist deutlich in den Kompositionen zu hören. Neben dieser Grundeinstellung versucht Bruce Gefühle hinzuzufügen. Die HR-Bigband geht in seinen Kompositionen richtig auf, macht mit und geleitet Ihn in Höhenflügen musikalischer Art. Der Gitarrist Martin Scales sorgt in den Kompositionen für Gitarrensolos, die wild und wagemutig klingen, die in Ihrer Art unorthodox klingen. Jörg Achim Keller hat in den Arrangements der Ursprung-Kompositionen immer versucht, die Vertrautheit der Lieder nicht zu verfremden. Dass sich Jack Bruce in der Architektur der Lieder wohlfühlt ist sichtlich zu hören.

Jack Bruce meint zum Album: „Wir besitzen immer nur einen begrenzten Vorrat an Ideen – egal wie begabt wir auch sind.“ Weiter meint er: „Kommerzialität ist dabei die schlimmste Form der Selbstzensur.“

Album: More Jack Than Blues
Artist: Jack Bruce + hr-Bigband
VÖ: 27. November 2015
Genre: Rock / Jazz
Medien: CD+Bonus DVD
Vertrieb: SPV
Label: MIC Music GmbH
Wertung: 10 von 10

Walter Müller
Walter Müller
Sein Moto: Musik ist Kunst in Melodien und Noten ausgedrückt. Neue Ideen so frisch wie Noten, so bunt wie ein Blumenstrauß, Hörklänge unterschiedlichster Art. Er hört gerne Musik unterschiedlicher Themen, bunt gemischt von politisch, bis Beziehungssongs oder weis ich was.

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