Albumcheck | Epistemology von Keep Of Kalessin

„Keep Of Kalessin“ haben sich seit Ihrer Gründung Anno 1994 ihr eigenes, kleines Subgenre geschaffen: Melodic Black Metal meet Power Metal meets Thrash-Schlagseite.  Ganze 5 Lenze sind nun seit der letzten Scheibe „Reptilian“ vergangen, welche bei Fans und Kritikern sehr gut ankam.  Können die Norweger erneut mit musikalischer Finesse punkten und qualitiv hochwertige Songstrukturen bieten ? Aufgespielt…

Das Intro entführt den geneigten Hörer kurz in ruhige Klangspähren, bevor der fulminanten Opener „The Spiritual Relief“ auf die Trommelfelle losgelassen wird. Blastbeats treffen auf Klargesang, welcher erfreulicherweise nie in hohes „Power Metal-Gequietsche“ abgleitet, sondern straight und treffsicher daherkommt. Richtig weggefegt wird man dann vom fixen, melodischen Refrain mit seinem eingängigen Clean-Chorus. Erst etwas später kehrt mit einem ebenfalls gelungen Midtempo-Part ein wenig Ruhe ein … bis das nächste Riffgewitter hereinbricht. Tolles Songwriting an der Stelle, hier kommt keine Langeweile auf ! Agressiv, melodisch und manchmal melancholisch…so muss das sein !

Nächster Song, etwas andere Machart: Schräge Gitarrenläufe und blackmetalsicher Gesang zur Eröffnung und thrashige Einflüsse als Begeleitung bilden die Grundlage. Auch hier gibt es Clean Vocals und etwas Sprachgesang. Man sich auch hier keineswegs über Eintönigkeit beschweren, wenngleich die Spielfreude nicht ganz dem dem ersten Track mithalten kann.

Wem das bis jetzt noch zu wenig „Nackbrecher“ war, kommt spätestens bei „Universal Core“ auf seine Kosten. Hier wird schon fast in DARK FUNERAL – Manier losgebrettert, was das Zeugs hält. Insgesamt wirkt es zwar nicht so düster, aber abwechslungsreicher.  Unverkennbaren Elemente wie den Clean-Chorus und plötzliche Tempiwechsel werden auch hier nicht zur Seite gelegt. Dies ist vielleicht der härteste Song auf dem Silberling und passt genau in die Mitte !

Mein Favorit auf diesem bis jetzt schon sehr starken Album ist „Introspection“. Die Machart erinnert an die virtuosen Songs der Vikingmetaller BORKNAGAR und beeindruckt mit tollen Chören, die im Vergleich zu den vorhergehenden Songs etwas rauher daherkommen. Gehobenes Midtempo dominiert zwar, aber wird immer wieder durch gezielte Breaks aufgelockert. Erstklassig !

Was gibt es überhaupt zu bemängeln ? Falls man jetzt völlig unprogressive und unterproduzierte Soundkulissen mag, wird man mit der Scheibe nicht glücklich. Es kommt halt vieles clean und technisch daher. Da ich nicht zu dieser Gruppe gehöre, würde ich mir vor diesem Hintergrund eher die Frage stellen: Sitzt das Songwriting und stimmt die Abwechslung ? Beides ist der Fall und die hervorstechende Gitarrenarbeit tut ihr übriges. Die Jungs schütteln ein stimmiges Arrangement nach dem anderen aus den E-Langhölzern, wie nur ganz wenige Kapellen es in dieser Form tun. Die Keyboardarbeit ist überzeugend umgesetzt, man hat selten das Gefühl eines Zwanges. Vielmehr untermalen die Sythies gekonnt den Löwenanteil des Geschehens und drängen sich nicht auf.

Einen mehr als nur gelungenen Genre-Mix bieten uns die Mannen um „Keep of Kalessin“ somit auch in dieser Runde an. Sie haben schon lange den Punkt erreicht, an welchem man sagen kann: „So klingen nur die !“.  Bahnbrechende Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger muss man nicht erwarten, aber das ist angesichts der hoch angelegten Meßlatte auch nicht wirklich gefordert.  Kurzum : „Epistemology“ ist eine opulente und abwechslungsreiche Scheibe, deren Songs ihren Charme oftmals sofort, manchmal aber auch erst nach mehrmaligen Hinhören entfalten. Und das meine ich absolut im positiven Sinne, denn gerade das macht den Reiz des „Wiederhörens“ ja aus. Wer die progressiven und melodischen Klangwelten von BAL SAGOTH, BORKNAGAR und KALMAH zu schätzen weiß, liegt auch hier goldrichtig !

Sam

 

Trackliste:

1.Cosmic Revelation -Intro-
2.The Spiritual Relief
3.Dark Divinity
4.The Grand Design
5.Necropolis
6.Universal Core
7.Introspection
8.Epistemology

 

Spielzeit :

Ca. 52 min

 

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