Albumcheck | Pretty low von Expire

Keine Böcke auf „Pop-Hardcore“ ? Und bitte…EXPIRE! Die Jungs aus Milwaukee haben schon mit dem Debüt „Pendulum Swings“ eindrucksvoll präsentiert, wie düsterer und brachial-flotter Hartkern zu klingen hat. EXPIRE verschwenden auch diesmal keinen Gedanken an irgendeinen romantischen Firlefanz. Steht ihnen diese Hasskappe auch weiterhin gut ?

Tourfreudig sind sie allemal, denn seit dem Erstling hat man sich nicht nur den heimatlichen Gefilden gewidmet, sondern auch bereits in Europa und Japan für Furore gesorgt. So konnten sie bereits mit den bekannten TERROR, COUNTERPART und YOUR DEMISE eine Bühne teilen.

Es ist auch hier mal wieder schwierig , das Hörmaterial auf die einzelnen Songs runterzudeklinieren. Das klappt immer dann bestens, wenn die Tracks eine erhebliche Abgrenzung voneinander aufweisen. Das wird hier weder erreicht , noch angestrebt. Dennoch: Wer zu rohen und undifferenzierten Hardcore erwartet , wird insgesamt überrascht sein. So sind „Just Don’t“ und „Callous“ echte Paradebeispiel für harten Sound in einem doch sehr technischem und facettenreichen Korsett. Das Rezept für die Songs ist im Grunde zwar meistens gleich, aber die konsequente Umsetzung stimmt einfach und stellt insgesamt eine Weiterentwicklung zum ersten Silberling dar. Die auffallend metallischen Riffs pendelt zwischen „simpel“ und „ausgefeilt“, ohne aber in irgendein Gefrickel zu münden…moderner US-Style eben.

Reine Midtempo-Nummern sind rar gesät. Das entspricht aber wohl weder dem Konzept von EXPIRE, noch ließe dies die knappe Spielzeit von 25 min zu. Das Songwriting gibt eben den schnellen und massiven Stil vor, was  in der Gesamtbetrachtung  auch zündet und die kurze Dauer des Hörvergnügens relativiert. Sänger Joshua hört sich wieder so dermaßen angepisst an…dem klaut man morgens besser nicht die Nutella vom Brötchen. Da wird geshoutet, bis der Arzt kommt. Textlich bleibt auch nicht viel Platz für Optimismus, dafür sorgen die düsteren, verurteilenden Lyrics schon. Wichtig ist dabei, dass es eben glaubwürdig rüberkommt…und das tut es ! Sehr gelungen ist auch die druckvolle Produktion , die den krachigen Charakter der Platte noch unterschreibt.

Insgesamt ein echtes Brett, welches einerseits tonnenschwer daherkommt, den Hörer aber auf den anderen Seite mit seiner flotten Spieldynamik auf Trapp hält. Völlige Eingängigkeit und Soli-Gefrickel sucht man vergebens, braucht man hier aber auch nicht…dafür gibt´s massig Killerriffs und Moshparts. Somit ist dieses Album alles andere als „Pretty low“ ausgefallen und dürfte jeden Liebhaber deftiger HC-Intermezzi begeistern…

Sam

Trackliste:

1. Pretty Low
2. Just Don’t
3. Fiction
4. Gravity
5. Nobody
6. Old Habits
7. Forgetting
8. Callous
9. Rejection
10. If It Were Up To Me
11. Second Face

Spielzeit:

Ca. 25 min

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