Albumcheck | Pale Communion von Opeth

Opeth darf man gerne als „enfant terrible“ des Metal bezeichnen. Mit so famosen Brettern wie „Orchid“ haben sie sich damals zielsicher auf dem Death Metal-Parkett bewegt und steuerten nach und nach immer in die Fahrwasser des Prog-Rock mit metallischen Elementen und Psychedelic Touch. Das klingt polarisierend und tendentiell eher solala…dass im Grunde genau das Gegenteil der Fall ist, zeigt uns das neueste Werk. Hören wir mal rein.

Eines vorweg: Ich bin nicht der Prog Rock/Metal-Hörer schlechthin…aber ich mag Meister ihrer Klasse. Und genau diese Meisterlichkeit haben die Schweden bereits auf dem Vorgänger „Heritage“ eindrucksvoll vor Augen…äh, Ohren geführt. Es war wieder ein ganzen Stück weg vom alten Liedgut, aber auf zu neuen, interessanten Ufern.

Der Grundton von Opeth bietet immer wieder die ideale Substanz für ausschweifende und energetische Ausflüge quer durch die Geschichte des 70er Rock und schafft es, auch ohne übermässige Härte absolute „Gitarrenbrillianz“ zu zeigen. Die Songs sind sehr verschlungen und fordern, das muss man einfach so sagen, schon höchste Aufmerksamkeit ein. Man wird verführt, irritiert, brüskiert und gleichzeitig unterhalten.

Es macht hier, anders als bei meinen bisherigen Reviews, wenig Sinn, jeden Song einzeln durchzukauen. Denn das  wäre so, als würde man ein Kunstwerk auseinander pflücken. Dennoch sollten einige Perlen nicht unerwähnt bleiben: So begeistert  „Moon above, Sun Below“ mit einer gelungenen Achterbahnfahrt aus frickelnden und gefühlvollen Parts. Die exzellente Gesangsstimme brodelt manchmal sogar ein wenig auf und bringt dezent rauere Töne ins Spiel. „Goblin“ ist sowas wie eine heimliche Liebeserklärung an die gleichnamige Band. Man lässt sich Zeit, lässt die Gitarren treiben…Prog kann so leichtfüssig sein, wenn die richtigen Leute am Werk sind. „River“ ist dann zumindestens für mich musikalische Perfektion in jeder Note, wenn es um weichere Klangwelten des Rock geht…und all das so herrlich unkitschig, groovend, emotionsgeladen und einfach mit dem richtigen Gespür für Details versehen.

Opeth sind schlicht eine Ausnahmeband, zumindestens für mich. Ich bin sicherlich niemand, der in Plattenläden primär nach Progressive schaut. Vielmehr habe ich die Jungs als Todesblei-Combo kennengelernt. Aber wie oft gelingt ein völliger musikalischer Sinneswandel mit positivem Ausgang ? Nicht sehr oft, wenn es um die ganze Bandbreite an Rock/Metal geht. Viele werden sicher auch diesmal abwinken und Opeth als „70er-Prog-Gezuppel“ abtun…aber mindestens genauso viele werden diese originale Band für dieses kleine Juwel lieben und den Facettenreichtum zu schätzen wissen.

Sam

Trackliste:

1.Eternal Rains Will Come
2.Cusp Of Eternity
3.Moon Above, Sun Below
4.Elysian Woes
5.Goblin
6.River
7.Voice Of Treason
8.Faith In Others

 

 

 

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