Albumcheck | Scars Remind Me von KRYN

Modern Metal…auch wieder so ein Unwort aus den Untiefen der hohen „Schwermetal-Schubladologie“ und auch so herrlich nichtssagend. Die kroatische Band KRYN (Gründung 2008) wird dort gerne einsortiert, vermutlich ob ihrer unglaublichen Bandbereite an Einflüssen quer durch die Metalgefilde. Ob das Rezept auf dem ersten Longplayer aufgeht oder eher Ohrenschmerzen verursacht…hören wir mal rein.

Erster Song , erste Sekunden, erster Gedanke: Fear Factory ! Im weiteren Verlauf wirds dann fast wie alte RAGE, dann kommen noch Growls, bissel Power Metal und Synthie-Vocals…hab ich was vergessen ? Mit Sicherheit. Ne im Ernst, das ist fürs Erste ganz schön viel , ABER:  Weniger chaotisch inszeniert, als es sich jetzt vielleicht liest. Und qualitativ nicht verkehrt, aber jetzt auch nicht ultimativ prägend. Also weiter…

Es folgt „The Silent“ und hier kann man fast schon von Tech/Prog Death sprechen. Insgesamt alles andere als SILENT und groovig ohne Ende. Das geht schon wesentlich besser ins Ohr als der Opener. Würde ich als Favoriten identifizieren.

„A/D/D/I/C/T/“ ist wohl sowas wie ein Technik-Muskelspiel, in welchen alles an Können einer Metalband zum Ausdruck gebracht werden soll. Insgesamt ruhig, aber nicht kraftlos.Tempiwechsel sind ein ständiger Begleiter und man muss an der Stelle auch mal sagen: Saugute Drums. Igor weiß seine Schießbude wirklich zu bedienen und schafft hervorragende Übergänge und eine klasse Dynamik.

„Reminder“ ist eine sehr schöne Midtempo-Nummer und gleichzeitig einer der besten Songs auf dem Silberling. Piano, Drums, Growls und Clean Vocals passen perfekt zusammen. Trotz aller Verspieltheit im gemäßtigem Temporahmen wirkt hier nichts aufgesetzt oder gar kitschig. Das sollte eigentlich auch die Stärke der progressiven Metalformen sein.

Technisch bewegt man sich auf hohem Niveau. Sänger Karlo bietet ein weitreichendes Spektrum an Gesangslagen. Von Death-Growls bis hin zu gediegenen Clean-Vocals ist alles dabei. Die Helden an der Klampfe haben an melodischen Parts einiges bieten, sparen aber auch nicht an Prog-Soli mit Frickelgranatie. Der heimliche Held bleibt jedoch der unglaublich fähige Drummer, der mehr als nur einmal der treibende Faktor in der Soundkulisse ist. Sauber ! Sauber ? Ja, das ist die Kehrseite der Medaille, hier werden manche schwer zu kauen haben. Denn es wirkt eben auch vieles sehr clean und überschliffen. Des einen Freud, das anderen Leid: Liebhaber des rohen, urwüchsigen Sounds werden hier eher nicht bedient und der wilde Mix stößt sicherlich bei Puristen das eine oder andere Mal sauer auf.

Einen starken Erstling schießen die Kroaten mit „Scars Remind Me“ aber auf jeden Fall ab. Grundsätzlich ist die Mischung aus Härte, Melodie und Progressive gut austariert. Wer Growls gar nicht ab kann (ist bei Proggern keine Seltenheit), wird früher oder später das Weite suchen. Kann man sich hierfür begeistern oder aber auch darüber hinweghören, bekommt man ein feines Stück M…Mo…naaa, gut…MODERN Metal!

Sam

Trackliste:

01. And There The Scars Remain
02. Silent
03. A/D/D/I/C/T/
04. Reminder
05. Meditiva
06. New Disease
07. B.L.E.A.K.
08. Second
09. Hurt
10. Released

Spielzeit:

54 min

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.