Albumcheck | „Fun On Earth“ von Roger Taylor

Wer den Namen Roger Taylor nicht kennt, der hat einen wichtigen Teil der jüngeren Musikgeschichte verpennt. Der Rest weiß natürlich, dass es sich dabei um den Drummer von Queen handelt. Und dieser hat nun mit „Fun On Earth“ sein erstes Solo-Album seit 15 Jahren veröffentlicht.

Meist ist es ja in der Tat so, dass eine Band als Kollektiv herausragende Kunst zu erschaffen vermag, an die aber kein Solo-Versuch der einzelnen Mitglieder heran kommen kann. Da gibt es die einen, die Solo entweder komplett versagen, oder eben positiv heraus ragende Beispiele wie Paul McCartney oder John Lennon – wobei auch selbst sie es nicht vermochten, dem gemeinsamen Schaffen der Beatles etwas wirklich ebenbürtiges entgegen zu setzen. Und auch Freddie Mercury ist es nie wirklich gelungen, das hohe Level seiner Band Queen zu erreichen. Kein Wunder und kein Beinbruch also, dass dies auch Taylor mit seinem neuen Werk nicht gelingt.

Aber das ist ja auch gar nicht nötig. Queen gibt es schon lange nicht mehr. De facto ist die Band 1991 mit Freddie Mercury gestorben, auch wenn die verbliebene Band es nicht lassen konnte, Queen bis Mitte der 90er im Wachkoma zu halten, als sie das posthume Album „Made in Heaven“ als fragwürdiges Finale in die Queen-Diskografie einreihten. Und von der Leichenfledderei, die sie mit dem 2008er Album „The Cosmos Rocks“ begingen, welches als „Queen + Paul Rodgers“ erschien, wollen wir lieber gar nicht erst sprechen. Fakt ist: die Band ist schon lange tot, selbst wenn der verbliebene Rest davon sie gerne mal als Zombie aus der Kiste hüpfen lässt. Da ist einem ein Solo-Album eines der Bandmitglieder doch deutlich lieber. Und da hat Taylor bei seinem neuen Werk im Grunde auch gar keine so üble Leistung vollbracht.

Zumindest wenn man das Durchschnittsalter der angepeilten und zu erwartenden Käufer-/Hörerschicht bedenkt. Mit 64 ist Taylor auch nicht mehr der Jüngste, aber schon David Bowie (66) und Paul McCartney (71) haben in diesem Jahr mit frischen und mitreißenden Alben gezeigt, dass man auch im gehobenen Alter noch genug jugendlichen Saft aus sich heraus pressen kann. Um es gleich zu sagen: an diese beiden Beispiele kann Taylor natürlich nicht heran kommen. Aber, und das ist das eigentlich wichtige: er gibt sich dennoch einige Mühe. Das offenbart sich in einem recht vielseitigen Sound. Der Opener „One Night Stand“ geht als recht straighter Rocker schon mal mit flottem Tempo voran, „Fight Club“ ergeht sich als emotionale Saxofon-Ballade, „Be My Gal (My Brightest Spark)“ gelingt etwas zu altbacken, was er dann aber gleich darauf in „I am The Drummer (In A Rock’nRoll Band)“ mit einem verdammten schlechten Songtitel, aber dafür mit ordentlich lauten und schnellen Gitarren ausgleicht. „Smile“ operiert gefährlich nah an der Kitsch-Grenze, kriegt aber dennoch ganz gut die Kurve, das von Kult-Gitarrist Jeff Beck begleitete „Say It’s Not True“ kann man sich als nachdenklich-verträumte, wenn auch manchmal etwas zu romantisch ausgeleuchtete Ballade gefallen lassen, „The Unblinking Eye“ macht als nachdenkliche Midtempo-Poprock-Nummer, die sogar ein klein wenig in die Richtung von David Bowie zu blicken scheint, eine durchweg gute Figur, und „Up“ überrascht dann gar als minimalistisch-treibender Dance-Rock.

Insgesamt betrachtet kann man „Fun On Earth“ zwar keineswegs als memorabel, herausragend oder besonders empfehlenswert bezeichnen – aber in jedem Fall als eine durchweg sehr solide Arbeit, die ein paar wirklich schicke Höhepunkte haben kann.

 

1 Comment

  1. Blinkfeuer sagt:

    ..Paul McCartney (71) haben in diesem Jahr mit frischen und mitreißenden Alben gezeigt….habe ich wohl ’nen anderen Satz Ohren. Auf selbige hat er verdient! Die ewige Heiraterei macht doch den geldbedarf erst nötig bei diesen Freaks. Sonst wäre Platz für Musik. Aber diese viel zu philen Collins bis Mc’s was weiß ich , ewig nerven sie neu.
    Im Binnenland sind es die Howies & Co, die dauernd Comeback- en. RUHE! macht es wie Wolle HölleHölleHölle, ihr Tröten! NO COMEBACK! Never.

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