Albumcheck | „Fijuka“ von Fijuka

Man ist ja immer wieder ein bisschen ängstlich, wenn es um Musik aus deutschsprachigen Breitengraden geht. Doch das deutsch-österreichische Duo Fijuka beweist mit seinem Debütalbum, dass es auch immer wieder erfreuliche Ausnahmen gibt. In diesem Fall kann man es sogar eine sehr erfreuliche Ausnahme nennen.

Das Duo besteht aus den beiden jungen Damen Ankathie Koi und Judith Filimónova, die sich beim gemeinsamen Studium in Wien kennen gelernt haben – das es sich dabei dann auch noch ausgerechnet um populäre Musik handelte, macht die Sache dann noch ein wenig interessanter.Das sie die Popmusik entsprechend etwas ernster angehen und sich ihre Songs nicht von Produzenten auf die Leiber schneidern lassen, sollte sich bei so einer Vorgeschichte von selbst verstehen. In der Tat kann man sie auch nicht einfach in die Pop-Schublade schmeißen – zumindest nicht, ohne das ihre Köpfe, Arme, Beine und Hintern aus allen Richtungen heraus ragen. Ein Hang zu feinen Melodien ist unverkennbar, aber Bezüge zu Dance-Musik, Retro-Electronica und (Weird-)Folk lassen sich ohne weiteres ausmachen.

Auf Albumlänge kreieren sie dabei ein sehr schlüssiges und rundes Werk, das sowohl Pop-Kunst als auch Hits zu bieten hat. „Phantom Sentimental“ könnte mit seinem herrlichen Refrain, der unaufgeregten und dennoch tanzbaren Produktion, sowie seinen herrlichen Retro-Synthesizern sogar zum Ohrwurm für die Massen werden. Genau genommen steht dem auch das fabelhafte  „58“ in rein gar nichts nach, dem sie einen tollen Disco-Groove verordnen. Etwas kunstvoller geht es dann auf „Icecubes On a Cactus In a Desert In The Spring Pt.II“ zu: am Anfang steht da nur dieser nahezu scheue Gesang mit filigraner Synthie-Untermalung, ehe sich darauf hin eine minimalistische Folk-Perle mit Lagerfeuer-Charakter hinzu gesellt, nur um dann einem liebevollen Piano-Solo Platz zu machen. „Meredith“ geht erneut in Hit-Richtung, dieses mal aber in Gestalt eines verspielten und melodischen Fok-Pop-Ohrfängers. „Behave (From Now On)“ bietet dann den nächsten famosen Ohrwurm, der auf einem 80s-Groove reitet, auf dem zärtlichen „Porcelain Girl“ führt sie ihr Weg durch psychedelisch angehauchte Western-Prärien, und der minimalistische Elektro-Pop-Song „Your Time Has Come“ kann sogar gewisse Erinnerungen an Kraftwerk aufblitzen lassen.

Schade nur, dass das Duo bisher noch recht unbekannt ist und wohl bei den meisten eher als Geheimtipp gehandelt wird. Doch das sollte sich schleunigst ändern und ihr Album in die Top-10 der Albumcharts gekauft werden. Denn besser als das, was sich gemeinhin in selbigen so tummelt, ist das Album der beiden Damen allemal. Ein Hype durch die Musikmedien wäre allerdings auch eine Idee – denn in diesem Fall wäre es auch mal ein gerechter Hype. Man darf sehr gespannt sein, was da noch so kommen mag, denn das hier ist ganz großes Kino!

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