Albumcheck | „Die Kälte der neuen Biederkeit“ von Adolar

Wer guten deutschen Indie-Pop/Rock sucht, der ist bei der Leipziger Band Adolar genau richtig – denn mit ihrem neuen und dritten Album „Die Kälte der neuen Biederkeit“ hat man noch einen Grund mehr, sich über die deutsche Wiedervereinigung zu freuen.

Denn mit diesen 10 neuen Songs hätte man wahrlich eine kleine Kostbarkeit deutscher Musikkunst versäumt. Ein melodisches und einnehmendes Album, von dessen Energie man sich gerne mitreißen lässt.

Schon der Quasi-Titelsong „Neue Biederkeit“ hat das Zeug zur dynamischen und druckvollen Hymne, in der die Band eine neue Form der Spießigkeit in unserer Gesellschaft ausmacht – man möchte gar so weit gehen zu sagen, dass sie hiermit eine so unangenehme Wahrheit aussprechen, dass es am Ende wohl erst wieder die Nachwelt sein wird, die ihnen hier fast prophetische Fähigkeiten zusprechen wird. Und auch bei den anderen Stücken der neuen Platte bieten die Texte viel Spielraum für Interpretationen, und die zum Teil auf gewisse Weise so nah am Leben sind, dass es beinah weh tut. Aber auch in puncto Produktion sitzt hier nahezu alles am richtigen Fleck.

So präsentiert sich etwa „Raketen“ als von hypnotischen Streichern untermalter, potentieller Indiepop-Hit, der sich trotz des deutschen Textes nahezu international konkurrenzfähig zeigt, und „Halleluja“ vermischt ausgelassenen Indierock mit beherzten Bläsern, welche unweigerlich gewisse Erinnerungen an die Beatles wach rufen. „Nach Schweden ziehen“ vereint popmelodischen Indierock mit hübsch angestaubter, elektronischer Untermalung, und „Kanüle“ offenbart eine wunderbare und melancholische, in den schönsten nur denkbaren Grautönen strahlende Ballade, die dem Album mit sanften Gitarrenakkorden, zärtlichen Streichern und erhabenen Bläsern ein würdiges Ende setzt.

Ja, man sollte diesem Album auf jeden Fall eine Chance geben – vor allem wer ein gutes Gespür für talentierte handgemachte Musik hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Ein unangepasstes, anklagendes und nachdenkliches, aber dennoch gleichzeitig nicht zu rebellisches Album, das eigentlich fast zu schade dafür ist, die ganz große Aufmerksamkeit der Masse zu bekommen. Aber auch nur fast – denn „Die Kälte der neuen Biederkeit“ ist in der Tat ein durchweg hervorragendes Album. Und neue Helden kann die deutsche Musiklandschaft ja sowieso immer wieder gut gebrauchen.

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