Klassikcheck | Philippe Jaroussky: Farinelli und Porpora – Der Schüler und sein Meister

Farinelli– den Namen des legendärsten aller Kastraten dürften die meisten schon einmal gehört haben, war doch seine Virtuosität als Sänger unübertroffen. Der Name Nicola Porpora hingegen ist weitaus weniger geläufig. Obgleich er es war, der das Talent des Knaben Farinelli erst entdeckt hatte.

Damit dürfte er wohl auch verantwortlich dafür sein, dass dem Buben  damals die Eier abgeschnitten wurden. Narkose außerordentlich schmerzhaft und  zudem lebensgefährlich. Doch er war es auch, der ihn ausbildete, ihn berühmt machte und unzählige Arien auf den Kehlkopf schneiderte. Und dennoch heute fast unbekannt ist.

Nun aber hat der erfolgreiche Countertenor Philippe Jaroussky nach intensivem Studium nicht nur des Werkes, sondern auch des Lebens und der Persönlichkeiten beiden Künstlern endlich ein Denkmal gesetzt.

Zusammen mit niemand geringerem als Cecilia Bartoli und dem Venice Baroque Qrchestra unter Andrea Marcon hat er von Porpora für Farinelli geschriebene Arien aus mehreren Opern eingespielt und eingesungen. Und was soll ich sagen- Jaroussky wurde nicht umsonst mit Preisen überhäuft.

In seiner Stimme liegt nichts, was auch nur den leisesten Anschein von Mühe und Anstrengung erweckt.  Mit einer Selbstverständlichkeit koloriert er in Tonlagen, in welchen sich selbst nicht alle SängerINNEN sicher zu bewegen vermögen. So muss man sich fragen, warum man damals die Jungs überhaupt kastrierte.

Und dies ohne jemals übertrieben zu klingen.

Das Orchester sorgt mit entspannter Umsetzung der unaufgeregten Musik Porporas für einen idealen Teppich. Nicola Porpora mag  vielleicht weniger populär sein heute, doch hat sie deutlich ihre Reize.

Fazit: Balsam für die Ohren!

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

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