Konzertcheck Wacken 2013 | Deep Purple – eine Legende enttäuscht

Sie waren wichtige Wegbereiter und Pioniere der harten Musik,  nicht nur durch ihren wohl größten und bekanntesten Kracher „Smoke on the Water“, auf den man die Briten gerne reduziert.

Nachdem mir das aktuelle Album der ehrwürdig ergrauten Eminenzen des Hard Rock erstaunlich gut gefiel, waren die Erwartungen an den Auftritt von Deep Purple recht hoch, ebenso die unserer Camp-Gang,  die sich spontan zusammengefunden hatte.

Die Eröffnungsnummer war vielversprechend: „Highway Star“ gab kräftigen Vortrieb und mächtig Stimmung.  Doch leider geschah danach nicht mehr viel spannendes.

Dass mittlerweile ein paar Spieler ausgewechselt werden mussten darf nicht als geeigneter Grund gewertet werden. Natürlich kann man Typen wie Jon Lord und Ritchie Blackmore nicht ersetzen. Warum auch- neue Akzente sollten kein Schaden sein, eher für neuen Drive und neue Ideen sorgen.

Leider versuchte Lords Nachfolger Don Airey die bewährte Schiene zu fahren und rangierte damit munter und langatmig vor sich hinwimmernd auf einem Abstellgleis herum. Und so virtuos der durchaus zu recht nicht unberühmte Steve Morse den Eierschneider würgte: irgendwie spielte die Combo nicht gemeinsam.  Nur gleichzeitig. Ohne Pep. Immerhin war das Organ von Ian Gillian unverkennbar geblieben. Wobei er selbst in Outfit und Bewegungsmuster wirkte, als sei er ein auf Malle urlaubender Rentner mit wenig Kondition.

Nachdem die Senior-Rocker ewig lange mit reiner Frontalmusik  strapazierten, geschah zum Ende das wohl unvermeidliche: „Smoke on the Water“ – nicht besonders originell, doch logisch und endlich noch etwas zum mitmachen, mitklatschen, mitgröhlen. Ein paar weitere solcher Nummern folgten. Rausgerissen wurde damit nichts. Das Niveau und das Engagement blieben irgendwo zwischen RTL DRÖLFs „Die ultimative Recyclingshow“ und Bierzeltbeschallung.

Darin waren sich sogar eingefleischte Purpelisten einig mit mir.

Dieses Konzert, ausgerechnet dieses Konzert, ausgerechnet auf DEM Festival,  das ihnen ein Denkmal hätte werden können, war nicht positiv beeindruckend.

Schade. Sehr.  🙁

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

6 Comments

  1. Zurück in der „zivilisierten“ Welt….

    Nun ist es wieder vorbei. Und da ist er, der Moment, an dem Du aus der Dusche steigst und feststellst, dass Du in Wirklichkeit gar keine gebräunte Haut bekommen hast… Meine persönliche Bilanz……

  2. Gut geschriebener Artikel. Schade eigentlich, ich wär bestimmt sehr enttäuscht gewesen.

  3. […] Konzertcheck Wacken 2013 | Deep Purple – eine Legende enttäuscht […]

  4. […] Show geht anders. Rockgiganten ohne Pepp – da muss ich Ulf, dem (Metal-)Freak in seinem Deep Purple Review bei Albumcheck recht […]

  5. Konrad sagt:

    Habe leider nur die Übertragung im Fernsehen gesehen, hatte aber den gleichen Eindruck. Ich war schon enttäuscht ABER ich war letzte Woche hier in Dresden beim Konzert und das war der Hammer!! Super Sound, große Spielfreude, tolle Setlist. Die könnens also noch 😉

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