Albumcheck | Racine Carrée von Stromae

Mit Sicherheit wird sich so manch einer noch an den belgischen Künstler Stromae erinnern – oder zumindest an seinen 2010er Hit „Alors On Danse“, der es sogar in Deutschland auf die Pole Position der Charts geschafft hat. Nun ist der Herr 3 Jahre später mit seinem neuen Album „Racine Carrée“ am Start.

Was Paul Van Haver – wie Stromae mit bürgerlichem Namen heißt – einst auf seinem Debüt „Cheese“ musikalisch zusammen rührte, konnte vor allem bei jenen, welche die frühen bis mittleren 90er noch miterlebt haben, wunderbare Erinnerungen wecken. So konnten jene wohl schon bei der besagten No.1-Single die Ähnlichkeiten zum ’95er Nightcrawlers-Hit „Push The Feeling On“ nicht überhören. Er nahm sich diverse Querverweise an den House und Eurodance der 90er, und bereitete sie hervorragend für die Gegenwart auf.

Und auch auf seinem 2. Album gelingt ihm der Spagat zwischen Retro-Dance und Pop, was schon die erste Single „Papaoutai“ deutlich machte, die man eigentlich jetzt schon zu einem der Songs des Jahres adeln müsste. Auch der Opener „Ta Fête“ passt recht gut in das bewährte Konzept, der mit eingängiger Melodie, House-Elemtenten, Synthie-Hookline und tribalen Beats hübsch in die Beine fährt. Und das ziemlich cool gelungene „Bâtard“ spielt ebenfalls mit sehr deutlichen 90s-Elementen von Dance bis House.

Stromae geht auf der neuen Platte aber auch ein ganzes Stück weiter in andere Richtungen. War „Cheese“ häufig noch durch einprägsame Synthesizer-Hooklines geprägt, die einen mal an die guten alten Zeiten von 2 Unlimited, und ein andern mal an das Schaffen des Captain Hollywood Project erinnerten, so nutzt er auf seinem Zweitwerk nun auch verstärkt andere Stile. So kommen im stimmungsvollen und groovigen „Tous Le Mêmes“  gar herzhafte Bläser zum Einsatz, die auf gewisse Weise ein 40er-Jahre-Flair versprühen, und „Ave Cesaria“ schmeckt irgendwie ein wenig nach Urlaub im Süden. Die neue Single „Formidable“ offenbart sich dann als wundervolle, von Piano und sanften Beats geprägte Ballade, bei der man nicht einmal den französischen Text verstehen muss, um zu erkennen, das er seinen Songs nun noch eine Spur mehr inhaltliche Tiefe einhaucht. „Humain á l’eau“ kommt dann mit stampfenden und brachialen Beats, sowie acid-artigen Synthesizern daher, und „Quand C’est?“ empfiehlt sich als melancholische und düster-atmosphärische Elektro-Pop-Ballade, die entfernt an das Wirken Jamie Woons erinnert.

Nicht nur das Stromae dieses Album im Alleingang geschrieben, produziert und interpretiert hat, und dabei auch erneut ein hohes Maß an Kreativität und Talent unter Beweis stellt. Zudem hat er es trotz seines internationalen Erfolges zum Glück immer noch nicht nötig, sich der englischen Sprache anbiedern zu müssen. Nur die Tatsache, dass man hier nicht in Hülle und Fülle die eingängigen Dancefloor-Killer findet, wie noch zuletzt auf seinem Debüt, kann dem Fan der ersten Stunde womöglich ein wenig die Suppe versalzen. Tatsächlich mag „Racine Carrée“ beim ersten Versuch nicht so zwingend und mitreißend anmuten wie sein Vorgänger. Doch hört man erst genauer hin, erkennt man wie deutlich Stromae sich hier weiterentwickelt. Und das er dabei mal wieder ein fabelhaftes, und noch abwechslungsreicheres Album aufgenommen hat.

1 Comment

  1. Manu sagt:

    Ich finde Racine Caree ist ein super Album von Stromae. Das Album geht in eine etwas andere Richtung als sein Vorgänger. Stromae ist trotzdem ein Garant für Hits.

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