Albumcheck | Licht von Dear Grandma

Die Band Dear Grandma wird sicherlich kaum einem da draußen ein Begriff sein – was aber nicht bedeutet, dass man dies nicht ändern sollte. Denn was die vierköpfige Band aus der kleinen Gemeinde Puschendorf in Bayern auf ihrem Debütalbum „Licht“ darbietet, dürfte den Geschmack von Fans guter deutscher Rockmusik ohne weiteres treffen können.

Wahnsinnig viele Informationen, die über die Presseinfo des kleinen Label „Erika’s Laden Musik“ hinaus gehen, bei der die Band um die Sänger und Gitarristen Marius und Niko, sowie Drummerin Melina und Bassist Thomas beheimatet sind, kann man derzeit zwar nicht in Erfahrung bringen, aber man sollte auch am besten einfach die 8 Stücke ihres Erstlings ganz für sich sprechen lassen.

Stilistisch hat man es hier mit melancholisch und nachdenklich gefärbtem, sowie minimalistisch und sehr authentisch dargebotenem Alternative-Rock zu tun, der ein wenig an den Stil der 90er Jahre erinnert – eben die Ära, in der die Rockmusik ihren Kitsch-Ballast abwarf und sich wieder auf das wesentliche konzentrierte. Und auch inhaltlich hat die Band sich hier durchaus was einfallen lassen, und spielt mit Texten, die wesentlich mehr zum nachdenken anregen, als dies bei vielen ihrer berühmteren Kollegen der Fall ist. Schon im Opener „Träumer“ geht es gut los, wenn es da etwa ganz schlicht aber effektiv heißt: „Ich nehm mir die Freiheit und träum‘ mich zum Glück. Und wenn du willst bring ich dir was mit.“ Und auch Systemkritik findet hier seinen Platz, wenn sie im ebenfalls famosen „Industrietrümmer“ singen: „Im System gibt’s ein Kollektiv, jeder kämpft für sich. Der Rest wird kontrolliert, mit fremdem Schwertern kämpft man nicht.“

Musikalisch zeigen sie sich wie gesagt auf einfache, aber wirkungsvolle Mittel reduziert – die Band setzt offenkundig eher auf Atmosphäre, Melodien und Inhalt, statt auf alles nieder walzenden Bombast, was bei diesen 8 Kompositionen eine sehr gute Entscheidung war. Zwar geben sie auf  „Öttinger Spezial“ dem Affen ein wenig zu viel Zucker, was sich vor allem im doch etwas zu sehr nach Bierzelt-Stimmung schmeckenden Gesang ausdrückt – was aber wiederum erstaunlich gut zum Titel passt. Aber solch einen kleinen Schönheitsfehler (der für manche ja noch nicht mal einer ist)  will man einer so jungen und offenkundig talentierten Band auf keinen Fall ankreiden.

So darf man hoffen, dass das Quartett kein Geheimtipp bleiben, und sich stattdessen seinen Weg zu breiteren Hörerschichten bahnen wird. Qualitativ können sie mit „Licht“ allemal so einige Stars und Sternchen der deutschen Musikszene weit hinter sich lassen. Doch Qualität hat gerade hierzulande ja häufig nur wenig mit Erfolg zu tun – leider! Drum tut was dafür um es zu ändern. „Licht“ von Dear Grandma ist diesbezüglich auf jeden Fall eine Investition wert.

Auf Amazon und ähnlichen Anbietern hat man zwar leider kein Glück, aber neben ihrer bandcamp-Seite deargrandma.bandcamp.com, wo ihr das Album für 7 € (oder wahlweise mehr) herunter laden könnt,  könnt ihr es auch über musik@erikasladen.de bestellen.

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