Albumcheck | Big TV von White Lies

Nachdem die britische Post-Punk-Band Whitle Lies zuerst ein famoses Debüt vorlegte, drohte sie schon mit ihrem Zweitwerk einen langsamen kreativen Tod zu sterben. Doch mit Album No.3 können sie nun ihre Köpfe elegant aus der Schlinge ziehen.

Der halbwegs fachkundige Musikhörer hat ja sicherlich noch „To Lose My Life…“ im Gedächtnis: der 2009er Erstling von White Lies, der zurecht für eine kleine Sensation im zeitgenössischen Indierock/Post-Punk-Revival  sorgte. Hymnische Melodien und waschechte Indierock-Hits wohin man blickte. Und mindestens der Titelsong brachte das unbedingte Zeug zum Klassiker mit – und eine Botschaft, die man nicht schöner in die Welt hinaus rufen könnte: „Let’s grow old together and die at the same time“. Doch als dann vor 2 Jahren das zweite Album „Ritual“ folgte, konnten sie dem dann doch nicht mehr entgegen setzten, als einen lauwarmen Aufguss bisheriger Leistungen.

Aber bekanntlich ist das zweite Album nach einem hervorragenden Debüt, eine dem Musikbusiness nur allzu gut bekannte Hürde, an der schon manch einer vor ihnen scheiterte. Doch White Lies haben sich scheinbar wieder kreativ aufgerappelt, und mit „Big TV“ ein drittes Album nachgelegt, das nun all das wieder richtig macht, woran sein Vorgänger scheiterte. Wobei die erste Single „There Goes Our Love Again“ dafür nicht der allerbeste Beleg ist. Die Nummer geht zwar absolut in Ordnung, und animiert sogar zum mitsingen – aber auf dem ganzen Album sind noch bessere Stücke zu finden.  Schon der hymnische Opener und Titeltrack „Big TV“ macht eine sehr gute Figur, wird allerdings noch durch mitreißende Ohrwürmer wie „Mother Tongue“, „Be Your Man“ oder „Getting Even“, eine wunderbare und schwebende Ballade wie „Change“, und  hymnische und atmosphärische Midtempo-Nummern wie „First Time Caller“,  „Tricky To Love“ oder „Heaven Wait“ komplettiert.

Gewissermaßen kann man „Big TV“ auch als Konzeptalbum verstehen, das laut Bassist Charles Cave der Geschichte eines Paares folgt, das die Provinz verlässt, um in die große Stadt zu gehen. Soundtechnisch ist es noch immer der unverkennbare Stil der Band, allerdings qualitativ wesentlich stärker am Niveau des Debüts angesiedelt, hagelt es doch auch hier wieder Hits, Hymnen und Highlights. Natürlich kann es selbigem dennoch nicht  gänzlich die Butter vom Brot nehmen, aber das ist auch gar nicht nötig. Niemand kann von einem Musiker oder einer Band erwarten, immer und immer besser zu werden, und mit jedem Werk erneut weiter über sich selbst hinaus zu wachsen. Es reicht schon einfach richtig gute Musik. Und das ist ihnen mit „Big TV“ zweifellos gelungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.