Albumcheck | Rockt! von Das Niveau

Wer von all dem nichtssagenden Deutsch-Pop/Rock die Nase gestrichen voll hat, der seit Jahren die Charts und Radio-Playlists verstopft, der könnte am neuen Album „Rockt!“ des Berliner Duos Das Niveau seine wahre Freude haben.

Denn wo all die Silbermonds, Helene Fischers und Frida Golds dieser Nation sich vor allem immer wieder darin gefallen, ganze Alben zu produzieren, die im Grunde keine einzige tiefere Aussage zu formulieren imstande sind, wirkt die Musik von Martin Spieß und Sören Vogelsang nahezu wie eine Wohltat.

Stilistisch wird das Duo nicht umsonst mit den frühen Ärzten, oder einer deutschen Antwort auf Tenacious D verglichen, was sie inhaltlich mit herrlich sarkastischen und witzigen, aber vor allem oft auch wahren Texten verbinden. Fast jeder kriegt hier sein Fett weg, was meist äußerst unterhaltsam ist – und so traut sich die Band, sogar Themen anzusprechen, die auch hierzulande oft immer noch als Tabu gelten. So ist etwa „Mein Freund“ ein Highlight der neuen Platte, auf dem mal so richtig saftig mit den Religionen abgerechnet wird. „Darf ich vorstellen? Mein Freund der Priester. Uuh, kleine Jungs genießt er. Hin und wieder gibt es deswegen Gewese, aber kein Problem – er kommt einfach in die Nachbardiözese„, heißt es etwa gleich zu Beginn. Eine Sternstunde für jeden Atheisten und Kirchenkritiker.

Doch auch auf dem Rest des Albums kommt der Fan guter deutscher Rock-Musik voll auf seine Kosten. Mal wird in Form einer humoristischen und düsteren Ballade „Der kleine Nazi“ abgefrühstückt, in „Mittelapfel“ wird über den grassierenden Mittelalter-Trend hergezogen, auf „Let it be“ bitten sie ihre Fans, das elende rhythmische Mitklatschen ihrer Songs zu unterlassen (und mal ganz ehrlich: so etwas ist auch nur was für den ZDF-Fernsehgarten, aber das war’s dann auch schon), und in „Oh, baby“ geht es auf hübsch ironische Art und Weise dem Twilight-Hype an den Kragen.

Zudem schafft es das Duo seine Musik sehr vielseitig zu gestalten – Pop und Rock sind natürlich allgegenwärtig, aber auch akustisch-folkige Balladen, und sogar Abstecher in Dubstep- oder Western-Gefilde kann man hier immer mal wieder erleben.

Wem Die Ärzte ein wenig zu harmlos geworden sind, der sollte sich dieses Album nicht entgehen lassen. Denn so viel Wortwitz und bissiger Sarkasmus ist in der deutschen Musik in dieser Form wahrlich nur selten zu finden.

 

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