JazzCheck | Carl Mörner Ringström: NeoColony

Bereits Mitte Mai erschienen eierte das Solo-Debüt des jungen Dänen zwischen meiner Warteschleife und dem Plattenteller hin und her. „Neocolony“ ist ein jazzlastiges Fusionalbum, welches sich sowohl zum Hinhören eignet als auch zur unaufgeregten, doch nicht dezenten Hintergrundbeschallung.

Auf Synthie-Teppichen breitet Carl Mörner Ringström effektbeladene, zur starken Kompression verzerrte Gitarrensounds aus, die stellenweise an den Steve Vai der Achtziger oder den Joe Satriani der Neunziger (z.B. „The Extremist„) erinnert sowie an Biréli Lagrène. Manchmal auch etwas zu sehr. Um zu versuchen, den Sound ungefähr zu beschreiben.

Charakteristisch jedenfalls sind gelungen wechselnd rockige und jazzige Skalen in teilweise wilden Läufen auf einem eher entspannten Fundament, auf dem man auch etwas stilistisch völlig anderes hätte bauen können, und es hätte gepasst. Vor meinem geistigen Auge fläzt sich Ringström entspannt auf einer Art Sessel, während er, als wäre es gar nichts, den Eierschneider hinauf- und herunternudelt und unschuldig dabei guckt, als mache er nur lockere Aufwärmübungen. Während jemand das gleiche versuchend bereits den Hals seiner Gitarre durchgeknabbert hätte vor Wut.

Für Fusion-Freunde auf jeden Fall interessant.

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

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