Albumcheck | Big Black Delta von Big Black Delta

Kann man das eine liebevoll kratzbürstige Umdeutung des Synthpop nennen, was der Mellowdrone-Frontmann Jonathan Bates uns hier auf dem zweiten Werk seines Soloprojekts Big Black Delta angedeihen lässt? Oder doch eher 80s-informierten Indie-Elektro-Rock? Im Grunde ist es egal – denn die Hauptsache ist, dass es höllischen Spaß macht.

Doch hört man genauer hin, kann man hier doch den Synthpop der 80er als ein deutliches Vorbild ausmachen – mit einigen hübschen Ecken und Kanten, und soundästhetischen Raffinessen auf den neuesten Stand gebracht.

Denn auf dem gleichnamigen Zweitwerk „Big Black Delta“, fehlt es gegenüber den Sternstunden des Synthpops der 80er Jahre an nichts. Vielmehr wird selbiger  hier noch um einige fabelhafte Details erweitert. Verstehen wir uns aber bitte nicht falsch: hier wird nicht eine käsige Synthie-Hookline an die nächste gereiht, und das Ganze dann mit schlagerhaften Melodien bis zum Rand aufgefüllt. Nein, denn Bates schmeißt uns hier in Wirklichkeit eine Reihe höchst melodischer und mitreißender Songjuwelen vor die Füße, die mehr sind, als nur das recycelte Produkt längst vergangener Pop-Tage.

Sicherlich ist eine Verneigung vor einigen Kollegen der Vergangenheit nicht zu überhören. Am deutlichsten wird dies vielleicht bei „Money Rain Down“, dem doch eine recht nahe Verwandtschaft zu „I Second That Emotion“ von Japan anzumerken ist. An anderer Stelle fühlt man sich dann mal an Depeche Mode, mal an New Order, oder vielleicht auch mal ein wenig an die Tears For Fears erinnert, aber all dem haucht Bates stets einen ganz eigenen Charakter ein. Und dabei fallen dann nicht nur potentielle Hits und andere Schätze ab, wie etwa das eingängige „Huggin & Kissin“, die von frenetischen Frauenchören unterwanderte Hymne „IFUCKINGLOVEYOU“, die verträumte und zärtlich schwebende Ballade „Dreary Moon“ oder der herrliche Vollblut-Ohrwurm „Into The Night“.  Darüber hinaus gibt es auch mal recht ordentlich was auf die Mütze, wenn er etwa in „x22“  kräftig vom Elektro-Rock-Teufel geritten wird.

Der einzige „Fehler“ der Platte: ihre Songs sind einfach zu schade, zu kunstvoll und zu einfallsreich für das Formatradio. Und eben deshalb wird diesem wunderbaren Album wohl leider auch eben die Beachtung versagt bleiben, die es eigentlich verdient hätte. Aber das macht die Musik ja freilich nicht minder grandios. Und eben nur darauf kommt es an.

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