Albumcheck | Delta Machine von Depeche Mode

Wir haben das aktuelle Depeche Mode Album lediglich in einer verkürzten Version als 13 Song Version als Ohrwaschgang erhalten, so dass wir letztendlich für unsere Rezension die iTunes-Ausgabe mit 17 Songs in der Deluxe Version gewählt haben. 

Normalerweise beurteilen wir keine Alben, die uns weder physisch oder als Download zur Verfügung gestellt bekommen. Da allerdings eine richtige Kontroverse um das Album „Delta Machine“ entbrannt ist, wollen wir es uns nicht nehmen lassen, diese neu zu entfachen und unseren Senf ebenso dazu abgeben. 

Natürlich können wir die negativen Stimmen über das Scheibchen nachvollziehen. Wir fragen uns allerdings, wem sollen es Depeche Mode überhaupt noch Recht machen? Unter unseren Presse-Kollegen gibt es sicherlich so einige, die von „Delta Machine“ maßlos enttäuscht sind. Dies sind jedoch auch diejenigen, die seit Jahren über das Auftreten von Depeche Mode ebenso meckern. Und das auch immer wieder mit den selben Argumenten: zu strange, zu elektronisch, zu wenig 80s bezogen, zu wenig gitarrenlastig, zu wenig dies, zu viel von dem usw.

WAS WOLLT IHR EIGENTLICH? 

Das ist die Frage, die wir uns stellen. Depeche Mode machen seit knappen 33 Jahren Musik. Wir sind zum größten Teil mit ihrer Musik aufgewachsen. Ich selbst durfte die Band bereits in den 90ern LIVE erleben. Ich bin mit Depeche Mode ins Tal der Tiefe gefallen und dennoch wieder aufgestanden. Wie Phoenix aus der Asche. Und wahrlich hat die Band nicht immer einen Weg, wie er in Hochglanz-Magazinen steht, beschritten. Viele Songs gefallen, manche weniger. Das war bei jedem Album bisher der Fall. Es gab schwache Alben und dann wieder starke Alben. Und das Wichtigste jetzt vorweg: die Band erfindet sich immer wieder neu! Niemand möchte einen Abklatsch des vorherigen Album hören. Mindestens 1-2 Hammer Tracks waren immer dabei.

Wobei sich uns die Frage stellt: Müssen Künstler auf einem Album immer gleich 6 Nummer Eins Hits haben? Oder lohnt es sich noch heute ein Album wegen nur einem Hammer-Song zu kaufen? Gerade in der heutigen Zeit, wo die Firma Apple den 1-Song-Verkauf mit 99 Cent pro Track in Mode gebracht hat?!

„Delta Machine“ bietet einen einzigartigen und beeindruckenden Zusammenschnitt der bisherigen musikalischen Karriere von Depeche Mode. Man könnte also behaupten, dass Delta Machine ein sehr viel besseres Best Off Album ist. Neu konzipiert. So finden sich ihre 80er Synthie-Klänge genauso wieder, wie die Leichtigkeit der frühen 90er Jahre. Die depressive Stimmung, welche zum Ende der 90er und anfänglichen 2000er aufzufinden war hat ebenso ihren Platz gefunden, sowie die elektronischen Eskapaden der jüngsten Zeit.

Man kann Depeche Mode einfach in keine Schublade stecken. Es gibt keine Vince Clark oder Alan Wilder Schublade mehr. Alles verschwimmt. Wenn es Schubladen gibt, dann müsste Dave Gahan oder Martin Gore draufstehen und auch, dass Depeche Mode sich einfach nicht in eine Schublade stecken lassen wollen. Kommen wir also zu „Delta Machine“:

Der Sound des Longplayers setzt sich aus Gitarren,  Synthies, Beats, Blues und sogar Soul zusammen. Über alles schwebend: die Stimme von Dave Gahan, die einem noch nach Jahren eine Gänsehaut nach der anderen beschert. Schon allein wegen der stimmlichen Entwicklung des Sängers ist die Platte ein klarer Kaufbefehl!

Trotz gesundheitlicher und persönlicher Rückschläge haben Depeche Mode nie aufgehört zu existieren und konnten, auch gerade weil der einzelner Solo-Experimente, von sich reden machen.

 

Der Longplayer ist sehr düster, theatralisch und melancholisch gehalten. Dennoch wirkt die Platte weder deplatziert noch durchweg negativ. Vielmehr zeigt sie eine Art Licht am Ende des Tunnels auf. Dies beweist auch u.a. der eher  tanzbare Track „Soothe My Soul“. Und wer ganz genau hinhört, wird viele Klangteppiche aus den vorherigen Alben entdecken können.

Mit „Delta Machine“ sind Depeche Mode näher an ihrem eigenen Stil, als man es je für möglich gehalten hätte. Sie haben sich nicht nur selbst kopiert und weiterentwickelt, sondern etwas phänomenales, futuristisches und monumentales „Neues“ erschaffen. Natürlich könnte man nun denken, dass „Delta Machine“ das Ende einer erfolgreichen Ära einläuten könnte,……

Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen……

Tief Luft holen, und einem anderen Gedanken Platz machen. Selbst wenn sich Depeche Mode zurück ziehen sollten: sie sind Vollblut-Musiker. Und wie oft haben wir von Bands gehört, sie wollen aufhören und niemals mehr in ihrem Leben sich der Musik widmen ? !  Ich glaube die Rolling Stones haben dies schon 50 Mal von sich behauptet. Und so lange ich noch klatschen kann, werde ich mich mit den Titeln und Alben von Depeche Mode beschäftigen können. Denn: Musik zu schreiben, sie zu spielen und einem Publikum darzubieten, kann süchtig machen.

Oder würdet ihr von jetzt auf gleich auf Musik verzichten wollen und diese NIE WIEDER in euer Leben lassen? 

Und ihr sitzt nur auf der anderen Seite. Geniales Album mit genialen Protagonisten.

Ein extraBonus-Sternchen gibt es schon allein für die Künstler. Klarer Kaufbefehl!

 

 

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