Albumcheck | Singvøgel: JETZT

Auch wenn das mit dem ø ziemlich nach neopaganem Pseudowikingerfolkloremetal ausschaut und deutschsprachige Musik ein geschmackliches Minenfeld ist, drauf auf dem per Crowdfunding finanzierten und unter CC-3.0 veröffentlichten Album ist eine sehr erfreuliche Enttäuschung.

Die bereits seit zehn Jahren mit Basis in Südhessen operierenden Singvøgel haben (mit) JETZT  endlich ihren Traum von einem professionell produzierten Album wahrgemacht. Und mir das Leben schwer, denn die Musik zu beschreiben ist nicht ganz einfach. Die Band schreibt etwas von „Rock“ und „Singer/Songwriter“, das passt auch am ehesten.

Stets etwas sphärisch kommen die balladenähnlichen Stücke über, deren Texte abseits stehen vom üblichen deutschen Schlagerschmus oder Oi!-Gepröle. Poetisch wohl, doch trieft nicht die Butter aus der Stereoanlage. Richtige Dichtkunst. Trivial geht anders. Und zuckersüß ist nichts. Und esoterisch auch nicht.

Auch wenn irgendwo geschrieben wurde, die Band sei „mittelalter“mäßig unterwegs, so hat sie doch gar nichts gemein mit dieser Szene, sondern sie haben einen eigenen, ganz andersartigen Stil. Ich verzichte lieber auf weitere Ausschweifungen: Wer Musik ruhiger mag und nichts hartes braucht, aber Text mit Hirn bevorzugt: KAUFEN!

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

4 Comments

  1. MartinM sagt:

    Passt schon. Die Singvøgel sind auch meiner Ansicht nach schwer zu beschreiben. Mit ihren intelligenten und poetischen Texten und ihrer musikalischen Vielseitigkeit ragen sie aus dem doch eher seichten deutschen Mainstream heraus.

    „Auch wenn das mit dem ø ziemlich nach neopaganem Pseudowikingerfolkloremetal ausschaut“

    Mhm, bis auf „Pseudo“ und „metal“ stimmt das manchmal sogar.. 😉

  2. Peter sagt:

    Nachdem ich mir nun die Lieder angehört habe komme ich zu einem anderen Urteil als die Redaktion:

    Sicherlich muss man dem Produzenten und dem Studio ein Kompliment machen. Man hört eindeutig, dass hier Fachleute am Werk waren und das sicherlich einiges gekostet hat. Die einzelnen SOngs sind gut abgemischt und auch der Klang sehr ausgewogen. Was mir allerdings sofort aufgefallen ist, ist der Zusammenhang, dass wenn die Sänger in Bezug auf die Tonfülle und Bandbreite schwächen aufweisen und die Stimme nicht sonderlich interessant oder ansprechend ist einfach ein kräftiger Schuss Hall hinzugemischt wird um die Fülle zu generieren. (Ähnlich dem Trick beim kochen, dass man, um Fülle zu generieren, etwas Tomatenmark hinzufügt.)

    Das hier nun allerdings auch das Schlagzeug und die Instrumente mit Hall unterlegt wurden macht dieses Stilmittel zu auffällig und die Texte schwerer verständlich. Zumindest muss man sich doch sehr konzentrieren um diese aus dem allgemeinen Hallrausch zu entnehmen.

    Noch einmal: Nichts gegen die Sänger: Die können ja nichts für ihre Stimme und das gibt es ja bei vielen anderen Garagenbands auch, dass die Stimme gewöhnlich klingt bzw. das die Ausstrahlung fehlt. Umso wichtiger wäre es dann allerdings, dass diese Schwäche durch herausragende Abwechslung musikalischer Natur kompensiert wird. Dies ist in meinen Augen hier nicht der Fall: Ich hörte nichts, was es nicht in irgendeiner Form schon mehrfach gegeben hat. Lediglich die Kombination schon existierender unterschiedlicher klassischer Genreriffs oder auch das visuelle zurückgreifen auf klassische Symbolismen zu typischen Klängen, die emotionale Vorgänge und Bezüge wecken sollen reicht da einfach nicht aus um die Schwäche der mangelnden tonalen Bandbreite auszugleichen.

    Geschmacklich könnte man hier nun sicherlich streiten, aber davon hängt meine persönliche Beurteilung hier nun nicht ab, eben weil ich selber seit vielen Jahren Musik mache.

    Noch einmal: Es ist deutlich hörbar, dass hier ein Profi am Werk war. Ich bin allerdings ein Mensch, der bei keinem einzigen Lied hier gefesselt oder vom Hocker gerissen wurde. Dafür ist einfach zu wenig „neues“ vorhanden und die schwächen zu ungenügend überdeckt, die in diesem Falle gerade durch die Herstellung eines Profis sogar noch hervorgehoben wurden für Menschen, die mit Musik selbst zu tun haben.

    Bleibt also mein Fazit: Ich gebe hier als Leser: Ehrliche 4 Sterne. Man kann dieses Album tatsächlich anhören und man bekommt kein Ohrenbluten. Die Abstimmung der Texte mit den Bildern und der Musik sind brauchbar, aber entsprechen den typischen klassischen Symbolismen. Da kenne ich tatsächlich andere Garagenbands die mit wesentlich schlechterer Betreuung ein umfassenderes und ergreifenderes Album erstellt haben.

    Das der Preis mir ein wenig zu hoch vorkommt spielt hier nicht in meine Wertung ein, weil ich weiss, was professionelle Produktion kostet und gerade bei kleineren Bands muss dann der Preis am Anfang ein wenig höher angesetzt werden. Nichtsdestotrotz kann ich aber ebenso sagen: Ich habe auch schon wesentlich schlechtere Garagenbands gehört. Die 9 Sterne der Redaktion sind allerdings für mich gänzlich unnachvollziehbar.

  3. Meilenweit für eine Party….

    Früher habe ich Parties gehasst. Mittlerweile bin ich etwas entspannter und amüsiere mich prächtig, wenn ich denn gehe. Was ich früher schon gar nicht gemacht hätte: Weit anreisen dafür. Heute……

  4. Der Song zum Slogan.

    Die Forderung nach bedingungslosem Mindesthirn für alle war ursprünglich nur ein Stoßseufzer gewesen nach einer fruchtlosen Diskussion mit Menschen, die tatsächlich noch dümmer waren als ich. Das…

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