Jazzcheck | Træben: Push

Jazz ist eine eigene Welt mit eigenen Naturgesetzen.  Und einer gewaltigen Vielfalt. Jeder, der einmal ein Jazzfestival besucht hat, weiß, dass diese Musik unglaublich facettenreich ist. Jazz ist idealerweise auch gefühlvolle Kommunikation, Aktion, Reaktion, Interaktion. Das kann hoch hergehen und sehr wild sein.

Oder auch sehr entspannt, wie Traeben zeigen. Der in Den Haag ansässige niederländisch-dänische Vierköpfer verzichtet auf unnütze Hektik und gar zu dicht gepackte Dissonanzen. Deren Album „Push“, bei iTunes bereits im Februar erschienen, wird ab dem ersten Oktober überall erhältlich sein.

Und ich spreche eine ausdrückliche Kaufempfehlung aus.

Jens Larsen, einer der Dänen, spielt die Gitarre sauber und -äh- irgendwie „flutschig“, mir fehlt die Beschreibung dafür. Wie es sich gehört ohne beißende Höhen, dafür mittenbetont angewärmt. Zum Teil wie beiläufig, doch sehr sorgfältig werden Melodiebögen gespannt, Akkorde angeschlagen und Arpeggien laufengelassen, ohne dass die Wechsel verstörend wirken würden, im Gegenteil. Jeder Ton ist die logische Konsequenz vorangegangener Töne.

Gleiches gilt auch für alle anderen: Jeder Ton sitzt genau dort, wohin er gehört. Der ebenfalls dänischstämmige Saxophonist Søren Ballegaard nuckelt hingebungsvoll an der Rotzkanne und entlockt seinen Instrumenten wohldosiert-rauhe und gleichzeitig sanft-warme Klänge, sorgsam intoniert und von liebevoller Dynamik.

Den Bass zupft Olaf Meijer, welcher wie auch Jens Larsen am Koninklijk Conservatorium Den Haag studiert hat, knurrig und wurzelig mit untrüglichem Gespür für den richtigen Groove. Die Art, wie er zupft, vielseitig, kreativ, pointiert.

Vorsichtig, als sei die Schießbude aus Porzellan, geht Haye Jellema ans Werk. Manchmal stupst er die Einzelteile seines Schlagzeuges nur vorsichtig an, und wenn er schlägt, dann wohldosiert. Krawall ist Træbens Sache nicht. Und überflüssige Töne ebenso nicht. Eine angenehme Unterhaltung, in der jedes Wort Wert hat und zuzuhören Freude macht.

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

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