Albumcheck | E.I.N.S.: Deutscher Rock’n’Roll

Noch gut zu erkennen ist die Beziehung zu der legendär-umstrittenen Oi-Krawall-Kapelle Böhse Onkelz, wenn sich das Quartett auch in recht kurzer Zeit relativ weit aus deren Fahrwasser zu vergleichsweiser Eigenständigkeit gerudert hat. Waren sie doch immerhin fünf Jahre als Onkelz-Cover-Band vergleichsweise erfolgreich.

So haben die aus dem Badischen Rheinau kommenden Deutschrocker sich auch nach einem Onkelz-Album E.I.N.S. benannt und die aufgelösten Vorbilder weiterleben lassen, bis man irgendwann die Teilnahme an einem Festival an die Bedingung knüpfte, dort ausschließlich eigenes Material zu präsentieren.

Binnen sehr weniger Wochen schmiedete EINS dann schnellstens zwölf Songs, die nun am fünfzehnten als das Album „Deutscher Rock’n’Roll“  auf den Markt gebracht werden. Das dafür verantwortliche Festival hingegen fand niemals statt. Doch immerhin: Das Album haben wir!

Etwas weniger ruppig als die Onkels sind sie, und diese Sturzgeburt merkt man kaum. Nur kommen die Vorbilder etwas stärker zum Zuge als wünschenswert, es ist manchmal noch sehr „onkelig“. Die Themen passen ins Genre: etwas Protest, demonstrierter Eigensinn und herausgekehrter Individualismus sind teilweise recht differenziert getextet, manchmal wiederum sehr an den typischen Klischees orientiert. Was nicht „schlecht“ bedeuten muss, denn eine gewisse Dosis Wiedererkennungswert muss auch sein.

Deutscher Rock’n’Roll ist sicherlich noch kein Meilenstein, doch ein gelungener (Kavalier)Start angesichts der Vorgeschichte. Nur, wer die Onkelz nicht mag, der sollte dieses EINS-Album nicht unbedingt ins Auge fassen und auf ein eventuelles nächstes warten.

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

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