Interviewcheck | The Evil Dead, Buenos Aires

Buenos Aires – Die Hauptstadt des Tango! Immer noch? Oder wird dort nun auch Metal-Geschichte geschrieben? Immerhin kommen von dort „The Evil Dead“, benannt nach dem Horror-Trash-Film, der in Deutschland eher als „Tanz der Teufel“ bekannt ist.

Noch kennen nicht so viele diese Band, die diese Welt mit erfreulich heiteren Titeln wie „A Perfect Day (In Planet Hell)“ verzaubern (har, har!) und deren Album hier bereits Thema war.. Metal-Redakteur Ulf Hundeiker sprach mit Michel Regueiro (und hätte gerne noch mehr über Horrorfilme gefachsimpelt, aber dat is ja ein Musikmagazin hier!)

Albumcheck: Ihr seid also „The Evil Dead“ aus Buenos Aires. Ich nehme an, es gibt eine spezielle Verbindung zwischen Euch und dem berühmtesten B-Movie-Trash-Schocker (Deutscher Titel: „Tanz der Teufel“, d. Red.)? Was ist Eure Lieblingsszene, und wie haben die kreischenden besessenen Mädchen Eure Musik beeinflusst?

The Evil Dead: Jaaa! Als wir mit der Band anfingen beschäftigten wir uns intensiv mit alten Horrorfilmen, wir lieben einfach deren Düsternis und den Schwarzen Humor. Auf den Klang bezogen haben sich sicher einige Soundtracks auf unsere Musik ausgewirkt, aber definitiv haben uns die Bilder noch mehr beeinflusst, zum Beispiel meine Lieblingsstelle, die sicherlich die Szene sein dürfte mit der Vergewaltigung durch Bäume und die Art, wie sich das Böse aus dem Wald herbewegt, um uns Gesellschaft zu leisten!

Albumcheck: Eigentlich ist das ja gar nicht so eine „Horror-Musik“ wie Cannibal Corpse und so, sondern eher thrashy. Tatsächlich klingt Euer Album wie der Soundtrack glücklich tanzender Dämonen in einer fröhlichen Hölle. Zum Thema Songwriting: Ihr habt sicherlich mehr Inspirationsquellen als nur Horrorfilme?

The Evil Dead: Oh ja, die Inspirationen kommen von überall her… Literatur, Geschichte, Saufen, Gruselgeschichten, eigene Erfahrungen… zum Beispiel „Piratefest“! Das ist ein alljährliches Ritual der Band und unserer Freunde, uns sinnlos zu betrinken und einen Haufen Spaß zu haben. Ein weiteres Beispiel wäre „The Blood Monster“, der von David Berkowitz (auch bekannt als „Son of Sam) handelt, einem Serienmörder, der New York in den Siebzigern in Angst und Schrecken versetzte. Der Text ist aus seiner Sicht geschrieben und wie er am Ende versucht, allen weiszumachen, er habe seinen Frieden gefunden- das ist aber alles Blödsinn und wir wissen alle, dass er immer noch ein verdammter Irrer ist.

The Evil Dead, Buenos Aires

The Evil Dead, Buenos Aires

Albumcheck: Klingt wie ein nordisch-heidnisches Ritual, Trinken und Denken („Sumbel“, d. Red.), Haha. Haben Eure Songs denn eine Botschaft, oder wollt Ihr einfach sowas sagen wie: Seid fröhlich, tötet und esst andere Menschen?

The Evil Dead: Ich weiß nicht, wie nordisch oder heidnisch wir sind, aber trinken ist wichtig für uns. Neue Mitglieder müssen immer zuerst den Trink-Test bestehen oder sie können es gepflegt vergessen! Ich denke, eine Botschaft haben wir nicht… vielleicht „Scheiß auf die Welt“ oder was immer Du willst (wir jedenfalls!). Aber Lieder wie „What If You Die“ werfen die Frage nach einem Leben nach dem Tod auf und ob es Himmel oder Hölle gibt. Ich meine, es ist Sache des Zuhörers, zu sagen, ob er eine Botschaft darin sieht.

Albumcheck: Es gibt noch mehr musizierende „Evil Dead“ (zum Beispiel in Seattle oder L.A.)- hattet Ihr da nie Probleme mit anderen gleichnamigen Bands oder Verwechslungen?

The Evil Dead: Sicher. Wir sind auf der Welt, um das Beste daraus zu machen. Ob die Leute unsere Musik hören wollen, sich schneiden, Geschlechtsverkehr mit ihrem Partner haben oder sich betrinken und ihre Bude abfackeln oder headbangen oder tanzen oder was auch immer, jeder für sich solange es Spaß macht, solange hattenb wir noch nie Probleme. Wir sind „THE Evil Dead“, die anderen nur „Evil Dead“.
Mayhem hatten das gleiche Problem, die haben es gelöst, indem sie „The True“ in ihrem Logo ergänzt haben.

Albumcheck: Ich finde, Ihr seid die MOST EVIL Dead! 😀

The Evil Dead: Da stimmen wir voll zu!!!

Albumcheck: Vor einem halben Jahr kam „Pronounce (The Evil) Dead“ raus. Was war das Problem, „The Evil Dead“ auszusprechen (to pronounce, d.Red.)?

The Evil Dead: Ja, eigentlich sollte das ja am 31, Januar herauskommen, aber in letzter Minute hatten wir noch ein paar Verzägerungen, so dass es dann im Februar endlich erschien. Meinst Du den Titel? Das ist ein Wortspiel. Alex (Alejandro Regueiro, vocals) kam mit dem Titel „Pronounced Dead“ an und ich sagte: „Hey, lasst uns dazu noch „(The Evil!)“ packen, auch als Tribut an Lynyrd Skynyrd und deren erste Platte, die „Leh-nerd Skin-nerd“ ausgesprochen wurde und uns sehr beeinflusst hat. Besonders mit den drei Gitarren.

Albumcheck: Wow, nette Story!
Habt Ihr schon viel verkauft von Eurem Album? Seid Ihr schon reich und ein wenig stolz auf Euren Erfolg?

The Evil Dead, Buenos Aires

The Evil Dead, Buenos Aires

The Evil Dead: Keine Ahnung, wir haben unser erstes königliches Salär noch gar nicht bekommen! Aber da die Veröffentlichung noch nicht so lange her ist glaube ich nicht, dass schon soooo viele davon verkauft worden sind. Also, Leute: Kauft bitte unser Album und die Fanartikel, damit wir uns schnelle Autos und ein Privatflugzeug kaufen können, damit wir wieder nach Deutschland können und literweise köstliches Bier trinken können! Haha, Spaß beiseite, natürlich würden mehr verkaufte Platten uns bei der Verwirklichung unserer Tourneepläne helfen…

Albumcheck: Drei Gitarren in einer Band sind in der Tat ungewöhnlich und nicht leicht zu handhaben. Hatte von Euch jemand richtigen professionellen Musikunterricht, um damit fertigzuwerden?

The Evil Dead: Eigentlich ist das nicht so kompliziert, drei Gitarren zu haben, wenn Du Dich erstmal an die Idee gewöhnt hast ist es dasselbe wie mit zweien. Ian (Ian Regueiro, Gitarre)kennt sich mit Musik aus und hatte klassischen Unterricht, aber ich schreibe das meiste von dem Zeug und habe keine Ahnung von Musiktheorie.

Albumcheck: Da ich in Münster lebe kann ich Dir sagen, dass unser örtliches Bier hier das beste auf der ganzen Welt ist! Ihr werdet hier herziehen wollen! Wie wäre es, dies mit sowas wie einer Welttournee oder wenigstens einem Arschtritt für’s Alte Europa zu erreichen?

The Evil Dead: Hehe, in Münster war ich noch nicht, aber zweimal in Deutschland und war verzaubert vom Bier und allem. Großartiges Land voller Metal!
Eine Europatournee für’s Album hatten wir für dieses Jahr vorgehabt, aber da wird unglücklicherweise wohl nichts draus. Also überlegen wir, das nächstes Jahr zu tun, wenn das Album schon länger draußen ist und bekannter. Wir wollen wirklich in Deutschland touren und auf vielen dieser großartigen Festivals bei Euch spielen! Live ist die Band eine echte Dampfwalze haut Euch die Rübe weg!
Wenn irgendwer uns buchen will, nicht zögern und Kontakt aufnehmen!

Albumcheck: Klingt vielversprechend!
Wovon träumt Ihr außerdem? Den Soundtrack schreiben für „Tanz der Teufel 2050“ („The Evil Dead 2050“, fiktiv) und mitspielen? Headliner sein in Wacken?

The Evil Dead: Ach nee, die Remakes sind wohl genauso beschissen wie die meisten Remakes, aber unsere Musik in einem coolen Film wäre fein, selbst wenn’s ein Indie-B-Movie wäre…

Davon, Headliner in Wacken zu sein, träumt wohl jede Metalband der Welt, und wir natürlich auch, aber dort einfach nur so zu spielen oder auf irgend einem anderen Open Air würde es auch tun.

Albumcheck: Und nun die gewöhnlichste und langweiligste Frage zum Beenden eines Interviews: Eure Botschaft an Eure (potentiellen) deutschen Fans und LeserInnen von Albumcheck.de?

The Evil Dead: Besorgt Euch unsere Platte und werdet besessen vom Feuer von The Evil Dead!
Wir haben jetzt auch ein paar Patches auf Lager, bald auch T-Shirts. Wir sehen uns auf der Tour!
Prost!!!

The Evil Dead sind:

Michel Regueiro – Guitar
Ian Regueiro – Guitar
Alejandro Regueiro – Vocals
Santiago Giusti – Bass
Santiago Botalla – Drums
Federico Franco – Guitar

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

2 Comments

  1. Gute-Laune-Musik 373: Earth Inferno!

    Meine Freunde aus Buenos Aires bringen ein neues Album raus. Promoplatte ist bestellt, Kostprobe vielversprechend:

  2. […] die den Verdacht aufkommen lassen, es sei besser, nicht alles zu ernst zu nehmen. Oder, wie ich im Interview zum Debutalbum […]

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