Albumcheck | Zärtlich Gefährlich von Schwesterherz

Schlager? Nee, nicht mein Ding. Von daher fällt es einem Musikkritiker immer schwer, etwas zu beurteilen, was einem eigentlich gar nicht gefällt. Nun sei es drum, so manchmal muss man in den saueren Apfel beißen und über seinen Schatten springen können. 

Ohne das Album zerreißen zu wollen, habe ich mir gedacht, ich könnte dieses Review mit persönlichen Anmerkungen (in Klammern) versehen, die man getrost auch überlesen kann, dass somit am Ende ein neutrales Bild entsteht. Nunja, das Trio Schwesterherz begann seinen musikalischen Aufstieg mit ihrem Album „Zarte Bande“ im Jahr 2007.

Neben (wirklich) außergewöhnlichen Texten (die ich manchmal nicht so wirklich nachvollziehen kann, weil sie recht eintönig sind und zu häufig von Liebe handeln) und pop-orientierten Schlager-Produktionen konnten sich Anja, Carina und Maria in die Herzen der Fans singen. Sie landeten Hits wie „Der Richtige“, „Papa wollte Jungs“ und „Sie sind nichts gegen dich“. Ihre Fans sind verrückt nach ihnen, so dass es nicht verwunderlich ist, dass sie sich auf den vordersten Plätzen der Hits-des-Jahres-Listen im deutschen Rundfunk wiederfanden.

Während auf  „Zarte Bande“ noch Country- und Folk-Klänge dominierten, wurde es bereits mit „Kommst du damit klar?“ schon poppiger. Das neue Album „Zärtlich Gefährlich“ (wer bitte hat sich diesen Namen ausgedacht?) setzt dem Ganzen noch die Krone auf und wirkt rhythmischer sowie tanzbarer.

Das Album ist gut durchdacht und bedient sämtliche (Liebes-)-Klischees.  Überraschend ist der Track „Ups, was habe ich gesagt“, der ansatzweise aus der Feder von Pur stammen könnte. Nettes Tempo und abwechslungsreich. Und je länger das Album dauert, umso freudiger hören die Ohren hin. „Ich würd gern mit den Fingern schnippen“ ist zwar textlich nicht ganz weit oben zu finden, steht dafür melodisch für gute Qualität.

Für gute Laune sorgt der Titel „Sommer auf der Haut“, der GEWALTIGES Hitpotenzial verbirgt. (Würde ich den Song im Radio hören, würde ich persönlich NICHT weg schalten.) Ein besonderes Highlight auf dem Album „Tausend mal Du“, ein Cover des altbekannten Song der Münchner Freiheit. Bitte Mädels, die beiden Songs „Sommer auf der Haut“ und auch „Tausend mal Du“ solltet ihr als Single-Auskopplungen veröffentlichen.

Abschließend bleibt anzumerken, dass „Zärtlich Gefährlich“ zwar ein total bescheuerter Name für ein Album ist, sich das Gesamtkunstwerk jedoch durchaus hören lassen kann. Bis auf wenige textliche Ausrutscher, die sich thematisch nur um die Liebe drehen, brilliert das Werk mit starken Stimmgewalten der Protagonistinnen und abwechslungsreicher Musik, die wenig mit dem allgemein üblichen Dance-Beat des Schlager-Genre zu tun hat. Überraschend frisch. Sicherlich nicht für jeden etwas, für Fans der Schlagermusik und dem deutsch Pop ein absolutes Muss.

 

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