Albumcheck | Adhd2 von ADHD

Okay, ihr dürft mich schlagen. Schließlich habe ich das Werk „ADHD2“ von ADHD schon seit einigen Wochen hier liegen. Schön in Folie eingepackt. Bisher hatte ich noch nicht einmal den Drang reinzuhören, da ich dachte es würde sich um eine finnische Indie-Rock-Band handeln. 

Dabei kommen ADHD aus Island. Und anzumerken sei auch, dass ADHD in der Medizin für Hyperaktivitätsstörung steht. Das ließ mich noch tiefer in den Abgrund blicken, denn schließlich hätte der  Bandname auch Programm sein können. So kann man sich irren.

Zwar handelt es sich bei ADHD um völlig durchgeknallte und abgrundtief depressive Isländer, diese haben aber keinen bekloppten Indie-Stil zu vermelden, der so gitarrenlastig ist, dass es die Ohren nicht mehr aushalten. Vielmehr  bauen vier Isländer an ihrem Klanguniversum. In der legendär kreativen Musikszene Reykjaviks gelten die Brüder Óskar und Ómar Gudjonsson (Saxofon bzw. Gitarre), Davíð Þór Jónsson (Hammondorgel) und Magnús Trygvason Eliassen (Schlagzeug) schon lange als Helden zwischen Jazz und Indierock.

Mit ihrem Debütalbum „ADHD“ wurden sie bereits bei den Icelandic Music Awards in mehreren Kategorien ausgezeichnet und selbst das aktuelle Album ADHD2 heimste eine Nominierung für den Nordic Music Prize im Jahr 2011. Solange hat es gedauert, bis nun (also eigentlich im April) ihr Werk auch in Deutschland erhältlich ist.

Ins übliche Schubladensystem kann man die melodische Musik , die mit dunkler Melancholie nordischer Winter gepaart ist, nicht stecken.  Neben Jazz kann die Band den typisch isländischen Weird-Folk-Einfluss nicht verleugnen. Man genießt das Werk auch nicht mal eben zwischendurch, sondern eher mit einem Stück Leber mit Faberbohnen, dazu einen ausgezeichneten Chianti.

Ganz so blutrünstig ist das Album nicht, lässt einem dennoch so hin und wieder das Blut in den Adern gefrieren.

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