Albumcheck | Dead Head Down: Blutrodung in Münster!

Münster. Beschaulich, ja ein wenig spießig, kaum etwas erinnert noch daran, dass hier einst unliebsame Menschen mit glühenden Zangen zu Tode gezwickt und in Käfigen am Kirchturm aufgehängt wurden. Jedenfalls solange nicht, bis man den metallischen Teil der Stadt kennengelernt hat. Wer erstmal Dead Head Down gehört hat, der traut den Münsteranern alles zu!

Passend ist schon der Titel des in Kettensägen-Kunst gehüllten  Machwerks- „Blutrodung“! Der geneigte Leser möge seine Stereoanlage vor Gebrauch versichern. Denn angenehm häßlich und erfreulich brutal sägen sich die fünf in den Gehörgang.

Schon der Einstieg mit „Zwang“ kommt außerordentlich plötzlich. Von langatmigen Intros halten Dead Head Down offenbar nur wenig, was sie nicht daran hindert, zwischenzeitlich gaaanz kurz ein kleeeeein wenig vom Gas zu gehen und balladeske Solopassagen einzuflechten. Balladesk ist allerdings sehr relativ.

Präzise gespielte Gitarrenriffs (Ben Guddorf, Matthes Rieke), die sich vor denen bekannterer Metalbands wahrlich nicht  verstecken brauchen, unterhämmert von ebenso sorgfältig durch den Schläger Christian Demter misshandeltem Schlagwerk (Junge, wie viele Drumkits verbrauchst Du so pro Woche?) und einem bösen Bassfundament (Phil Groe), bilden eine solide Grundlage für Striego Hildebrand, der eine Position bekleidet, die üblicherweise als „Der Sänger“ bezeichnet wird. Krächzen, Röcheln, alles dabei, doch ohne dabei unmelodiös zu wirken.

Das ist nicht das übliche Einheitsgeknüppel. Recht differenziert und aufwendig aufgebaut ist die Musik. Die mittlerweile überhand nehmende Basslastigkeit im Metal (vgl. Amon Amarth, nichts gegen selbige!) ersetzt die Band auf „Blutrodung“ durch fast ungewohnt klingende Ausgewogenheit, so dass manchmal der akustische Eindruck der abgebildeten Waldarbeiter- und Horrorfilmwerkzeuge erahnt werden kann.

Seit den schon vergleichsweise erfolgreichen Demoaufnahmen haben sich Dead Head Down noch wesentlich weiterentwickelt. Sie waren zwar bereits als Support Act unterwegs unter anderem mit Drone (vom Staat bis China exportiert) und Caliban.

Es wird Zeit für einen Rollentausch.

„Blutrodung“ Release Show
Am Freitag, 13. April 2012 um 20:00

Cafe Sputnik
Am Hawerkamp 31, 48155 Münster, Germany
Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

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