Albumcheck | Yuja Wang: Fantasia – Klassisch Grenzen überschreiten

Yuja Wang, Photo: Esther Haase

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Ein Klassikalbum zu nennen wie einen amerikanischen Phantasieersatz-Film aus der Disney-Schmiede, dann aber den Hörer gleich zu Beginn mit schwerer Kost von Rachmaninoff zu konfrontieren, das hat schon etwas.

Überhaupt wirkt die gesamte Zusammenstellung recht gewagt- schwermütige Spätromantiker wie Rachmaninoff, Saint-Saëns oder Isaac Albeníz in trauter Gesellschaft mit Genies aus Barock und Vorklassik wie Christoph Willibald Gluck oder dem einstigen Guru des Cembalo, Domenico Scarlatti– geht das?

Ja, es geht.

Nach vier Etuden des russischen Romantikers Sergej Rachmaninov springt die erst vierundzwanzigjährige Chinesin Yuja Wang abrupt um hundertsechzig Jahre zu Scarlatti und dem Vorklassiker Gluck. Und entlockt diesen fingerfertig über die Klaviatur des Flügels fliegend tatsächlich deutliche Gemeinsamkeiten in der Musik der doch so verschieden scheinenden Komponisten.

Ihre (mindestens) zehn Finger entkitzeln den Tasten die Einzigartigkeit, Gemeinsamkeit und Zeitlosigkeit wirklich großer Komponisten. Ohne dabei schwülstig oder banal zu werden. Die auf den ersten, oberflächlichen Blick wilde Mischung, die vermuten lassen könnte, sie sei nur geschaffen, um mit anspruchsvollen Stücken ein anspruchsloses Publikum zu beeinducken, bleibt oberflächlich.

Was wirklich ist, ist Musik. Musik, die trotz unterschiedlichster Hintergründe viel gemeinsam hat in ihrer Virtuosität. Yuja Wang überwindet durch ihr Spiel die Grenzen von Stil und Epoche, sie macht die Musik in dem, was sie ausmacht, fühlbar.

English version:
A classical album named like an american phantasy subsititution film from the disney factory confronting the audience with hard stuff by Rachmaninov is quite interesting…

The mix en toto seems to be a littele bit strange: melancoly late romantics like Rachmaninoff, Saint-Saëns and Isaac Albeníz united peaceful in company with baroque and pre-classical genius likeChristoph Willibald Gluck and cambalo-curu Domenico Scarlatti- does THIS make sense?

Yes, it does.

After finishing four etudes by romantic Rachmaninow the just 24 years young chinese pianist Yuja Wang is jumping abruptly 160 years back in time to extract similarities between him (and the other composers) and Scarlatti and Gluck who seemed to be very different before.

Her (at least!) ten fingers are tickling from the keys the uniqueness, commonality and timelessness of truly great composers. Without getting pompous or banal. At the very first sight it’s a strange mixture to impress an undemanding audiences with demanding works. But that’s superficial.

It really is music. Music which is having many similarities in its virtuosity despite the differend backgrounds. By the way she’s playing, Yuja Wang overcomes the limitations of style and epoque. The music can be felt in its deepest nature.

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

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