Albumcheck | Zuhören von P:Lot

„Das Leben ist nicht nur Radiohead.“ So oder so ähnlich lässt sich der fast schon revolutionären Plan von P:Lot in einfache Worte fassen. Dabei ging es eigentlich nur darum, ein sensationelles Album zu erschaffen, ohne dabei „negativ, wie die Deutschen nun mal sind“ zu sein.

Ein sensationelles Album möchte wohl jeder Künstler erschaffen. Doch ist es einmal gelungen, fragt man sich, was kommt danach. Getreu dem Motto: höher, schneller, weiter“ versuchen viele Künstler sich immer wieder in ihren Leistungen zu übertrumpfen. Doch ist dies wirklich Sinn und Zeck der Sache?

Morgen ist es soweit und das Album „Zuhören“ erscheint bei Sony Music. Was allerdings der Schwan auf dem Cover zu tun hat, außer dass er vielleicht eine Umarmung benötigt, ist uns schleierhaft.

Nun denn, es geht ja nicht nur um das Cover, sondern auch das was in der Hülle drin ist und so auf die Lauscher knallt. Soviel sei vorweg genommen: P:LOT sind sich treu geblieben und haben sich mit einem bewusst anachronistischen Album gegen den Zeitgeist sowie eigene Zweifel gestellt.

Soweit so gut. Doch was hat die Band aus Köln, die seit 1997 als Studioprojekt von Alexander Freund und Andreas Kaufmann, und letztendlich seit 2002 als eigenständige Band fungiert, noch zu bieten?

Die Texte der 11 Songs sind sehr intim. Und mit Intimitäten fängt es zugleich mit dem Opener „Eins“ an. Ein Track, der über Sex handelt, ohne dabei vulgär zu klingen. Jedenfalls ist „Eins“ eine Art Aufforderung sich zu vereinigen. Dabei spielt es keine Rolle in welcher Form. Auffallend hier: Die Übersteuerungen, die live auf der Bühne enstanden sind.

Der Track „Nimm mich“ spiegelt das Motto des gesamten Albums wider. Amüsierte Melancholie, die motiviert und dennoch nachdenklich stimmt. Man muss auch mal über seinen eigenen Schatten springen können.

Nachfolgend der Song „Zuhören“, Namensgeber des gesamten Longplayers. Hier wird alles gesagt: „Man kann seiner inneren Stimme nur folgen, wenn man richtig hinhört. In Zuhören wohnt die Erkenntnis, dass wir alle bereits wissen, was richtig und was falsch ist. Alles, was man tun kann, ist gut zu sein und es sich selbst nicht so schwer machen.“

„Lass dich finden“ ist eine Ode an den Mut. Weg mit der Angst und ran an den Start. Ein Song, der genauso für sich selbst steht, wie jeder es eigentlich für sich allein tun sollte.

Für einige Künstler scheint es in Mode gekommen zu sein, ihre Songs mit klaren Instrumenten und Chören zu unterstreichen. Hört sich ja auch toll an. Zumindest ist die „schwarzmalerei“ zumeist ausgeblendet. Positive Energie wird freigesetzt; wie auch in dem Lied „Der Trick“. „Musikalisch eine akustische Täuschung – wir hatten nie eine Tuba im Studio …“

„Beweg dich bringt das Herz zum Springen. Wie auf dem kompletten Album haben wir besonderen Wert darauf gelegt, dass alle Instrumente ihre Seele frei ausspielen dürfen. Manuelle Momente, die nicht per Knopfdruck rekonstruiert werden können. Diese ‚Leichtigkeit des Seins’ kommt hoffentlich rüber.“

Bei „Du bist Wasser“ geht es um die Harmonie und die Sehnsucht in der Liebe. Es ist nicht immer eine Person daran Schuld, wenn Nähe einem durch die Finger fließt. Meistens hat man gar keinen Einfluss darauf. Die Sucht nach Harmonie lässt schon mal sowas wie Melancholie in uns aufkommen.

Nachfolgen muss natürlich ein Liebeslied, welches sich „An meiner Seite“ nennt. Ein Song nicht nur für schwerverliebte. Etwas rockiger, aber dennoch ein Liebeslied bildet der Track „Unglaublich gut“. Dabei geht um die Einsicht, von seinem hohen Ross steigen zu müssen, um durch die Augen des Anderen blicken zu können. Und sich auch vielleicht zu entschuldigen. Tiefsinnig und schön.

Das Ende des Longplayers leitet der Titel „Wenn es zu Ende ist“ ein. Passender kann es doch nicht sein, oder? Last but noch least der krönende Abschluss: „Nimms nicht so schwer“. Ich glaube, die wirkliche Intention können auch nur die Rheinländer verstehen. 😉

Tolle Songs, tolles Album! Prädikat: kaufen! Aber zackig!

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