Albumcheck | The Kordz bringen „Killers & Heroes Edition“ von „Beauty and the East“!

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Seit Jahrzehnten sorgt der Libanon für Meldungen in den Medien von Krieg und Gewalt. Die Menschen wollen Blut sehen in den Nachrichten, und Meldungen über kulturelle Entwicklungen ertrinken darin. Doch auch in Zeiten von Not und Gewalt haben die Menschen das Bedürfnis nach Musik, vielleicht gar besonders. Die einen wollen hören, die anderen spielen. Wie The Kordz, die sich 1991 nach dem relativen Ende des seit 1975 tobenden ersten Bürgerkriegs zusammentaten.

Im Libanon waren sie sehr erfolgreich, doch wegen dort nicht vorhandener musikalischer Infrastruktur  gab es erst im letzten Jahr mit „Beauty and the East“ das erste Album der Kordz. Und nun, knapp ein Jahr später, erscheint von diesem die „Killers & Heroes Edition“ mit Doku-DVD.

Mark LeVine, Grammy-prämierter Musiker und Autor von „Heavy Metal Islam“ beschreibt THE KORDZ so:

„Sie sind ohne Zweifel die beste Rockband von Marokko bis Pakistan und vielleicht sogar überhaupt. Das neue Album wird als Vorhut einer Revolution der Rockmusik in Erinnerung bleiben, bei der Bands aus Nahost den Rock- und Metal-Sound des neuen Jahrtausends formen. THE KORDZ setzen den Maßstab für kraftvollen und innovativen Rock – live und im Studio, überall auf diesem Planeten.“

Die DVD gewährt einen Einblick in die Welt der Musiker. Eine Welt voller Gegensätze, eine Welt, in der der Krieg das einstige „Paris des Nahen Ostens“ als zerschossenes Beirut scheinbar aller modernen Kultur beraubt hatte. Und in der diese doch überlebte.

Die Musik einzuordnen ist schwer, ist sie doch zum einen wenig geprägt von der Musik des Vorderen Orients, zum anderen aber auch von westlich orientiertem Rock. Sie ist keinesfalls dieser nasalem Muezzingesang ähnelnde Shisha-Kaffeehausklang, von dem sich eine Verwandtschaft zum Mutantenstadl vermuten lässt. Sie klingt auch nicht nach den vielen verunglückten Versuchen des Vereinigens von Gegensätzen.

Deutliche, doch unaufdringliche Harmonien und Rhythmen aus der levantinischen Heimat der sieben Musiker vermengen sich gekonnt mit Rock, Indie, metallischen Anklängen und so weiter, ohne dass dies erzwungen wirkt, ohne, dass irgendeine Kultur in der anderen untergeht. Und manchmal bekommt der Westen den Vortritt, danach rückt der Nahe Osten ins Rampenlicht des abtastenden Laserstrahls. Die Scheibe ist einfach stimmig und unverkrampft.

Natürlich klingt auch in den (englischsprachigen) Texten der Kordz immer wieder die Situation der Heimat an, doch von Trübsal ist dennoch keine Spur. Die Scheibe macht viel Spaß und ist wärmstens zu empfehlen, auch wenn der Mix von „Beauty and the East“ etwas verbesserungsbedürftig wäre, vor allem könnte er dynamischer und differenzierter sein. Aber was soll’s- Hauptsache, es gibt dieses Album. Und mit der DVD habt Ihr dessen Hintergründe.

 Moe:

Es geht nicht nur um eine Band in einem Land. Es geht nicht nur darum, dass wir aus der arabischen Welt stammen. Es geht um Menschen, die – überall – dasselbe universelle Gefühl haben.

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

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