Interviewcheck | Torsten Sauerbrey von My Inner Burning

Nach der durchaus erfreulichen CD „Eleven Scars“  auf dem Plattenteller sahen wir uns geradezu gezwungen, mit My Inner Burning Kontakt aufzunehmen. Immerhin haben sie das Potential, bald die Szene gründlich aufzumischen.

Metal-Redakteur Ulf Hundeiker sprach mit Torsten „Sauer“ Sauerbrey, dem Kopf der Gruppe.

Albumcheck: Ich hatte vor einigen Wochen Eure letzte CD in der Hand gehabt und fand diese sehr interessant, zumal ihr die Musik neben Eurer eigentlichen Arbeit zustande bekommen müsst…

Sauer: Ja, wir müssen leider alle noch nebenher arbeiten. Damit Geld zu verdienen ist momentan noch nicht drin.

Albumcheck: Da das alles sehr fortgeschritten und professionell klingt, nehme ich jedoch an, dass Ihr das anstrebt?

Sauer: Das ist auf jeden Fall unser Ziel, mal von der Musik alleine leben zu können.

Albumcheck: Zumindest Du tust das eigentlich jetzt schon, in Deiner Eigenschaft als Produzent.

Sauer: Ja, das ist mein Job, ich habe ein Tonstudio und lebe halt davon. Also natürlich meist von anderen Bands, leider. (lacht)

Albumcheck: Ihr wart ja auch auf Tournee, Ihr müsst ja dann auch viel proben, damit es so professionell klingt, wie es soll. Wie kriegt Ihr das denn hin? Habt Ihr eine WG im Proberaum?

Sauer: (lachend) Nee, eine WG haben wir noch nicht gegründet. Wir wohnen ein bisschen verstreut, Becky, unsere Sängerin, kommt aus Braunschweig und der Rest der Band aus der Harzregion. Sind also schon etwa achtzig Kilometer Entfernung zwischen uns, und unser Proberaum ist auf der Hälfte, also in Seesen. Da treffen wir uns einmal die Woche meistens und gehen die Sachen dann in Ruhe durch.

Wenn wir Songs schreiben kann man natürlich in der modernen Zeit auch übers Internet Files hin und her schicken. Da muss man sich nicht zwangsläufig jeden Tag im Proberaum treffen.

Albumcheck: Aber das Zusammenspiel muss ja klappen. Immerhin wart Ihr mit Doro, Overkill und Konsorten als Support Act unterwegs…

Sauer: Für die Scorpions auch, erst letztes Jahr.

Albumcheck: Das ist dann auch etwas zeitintensiver, von wegen arbeiten nebenher?

Sauer: Joah, das hält sich aber noch im Rahmen. Es ist nicht so, dass wir deshalb unsere Jobs aufgeben müssten, um die Band zu machen. Aber wie gesagt, das Ziel ist schon, irgendwann noch mehr da rauszuholen!

Wenn eine Tour ansteht (von der wir ausgehen, dass dieses Jahr eine stattfinden wird), dann muss man seinen Urlaub natürlich entsprechend planen.

Albumcheck: Mehr als sechs Wochen sitzen dann also nicht drin, außer für die Schüler (gemeint ist Bassist Cliff, Anm. d. Red.) unter Euch.

Sauer: Ja, das ist richtig so… aber sechs Wochen wäre ja schon mal eine ordentliche Ansage.

Albumcheck: Eure Griechenland-Tour muss ja ziemlich eindrucksvoll gewesen sein. Meinst Du, Ihr habt den südlichen Nerv getroffen, so mittelmeermäßig, oder hattet Ihr nur noch nicht genügend Gelegenheit, Euch hier zu beweisen?

Sauer: Diese Griechenland-Tour kam eigentlich durch einen Zufall zustande. Uns hat damals über Myspace ein Booker angeschrieben, der fand unsere Songs ganz toll, und hat uns quasi auf eigene Kappe dorthin eingeladen.

Das war eine super Erfahrung die wir da gemacht haben, und Griechenland ist sowieso ein Riesen-Metal-Land. Die sterben da glaube ich für den Metal. (lacht) Die sind irgendwie noch so richtig enthusiastisch, nur finanziell… naja, wissen wir ja, wie es dort gerade aussieht. Die leben ja von uns, sozusagen. (lacht)

Albumcheck:  Vielleicht wurdet Ihr deshalb so nett empfangen dort? Naja, zu dem Zeitpunkt war das ja noch nicht so extrem…. –
Eure gesamte Aufmachung ist wie gesagt sehr professionell. Das ist kein Zuschussgeschäft mehr, oder?

Sauer: Es ist mittlerweile so, dass wir durch unser Label SPV den Rücken freigehalten bekommen. Wir können uns darauf verlassen, dass das Label für uns da ist und uns finanziell unterstützt, wo es geht. Ich denke, auch was Tourneen angeht werden wir auf einen grünen Nenner kommen und die uns unter die Arme greifen können.

Albumcheck:Thematisch und vom Cover her ist Euer Material ja eher düster. Aber so trübsinnig kommt es gar nicht rüber. Aber Lust auf Cannibal-Corpse-Splatter oder Happy Sound habt Ihr auch nicht.

Sauer: Nee. Wir sind wohl eher zwischen Cannibal Corpse und Heavy. (Lacht). Nein, nicht wirklich. Es ist natürlich schon recht düster, aber nicht so, dass wir den ganzen Tag über Gothic machen würden und weinend im Kreis laufen.

Ist schon eine düstere Atmosphäre, die aber durch die Musik mit ordentlich Power unterstützt wird.

Albumcheck: Ihr werdet ja nicht gerne in irgendwelche Schubladen gesteckt. Das ist ein Trend, den ich vermehrt auch bei anderen sehe. Immer, wenn ich Eure Musik höre, finde ich auch neue potentielle Schubladen, in die man die stecken könnte. Was hat Euch denn so beeinflusst?

Sauer: Puh… alles, was wir so hören, denke ich. Ich glaube, man wird einfach durch alles beeinflusst. Wir setzen uns nicht hin und sagen: „So, wir machen jetzt einen Trallala-Heavy-Metal-Song“ und dann machen wir wieder eine traurige Ballade, sondern das passiert einfach so. Ich und Becky glaube ich auch bin mit traditionellem Heavy Metal aufgewachsen, aber ich habe früher auch ein wenig Gothic gehört, aber auch Pop. Alles, was man so aufnimmt, fließt wahrscheinlich auch in die eigene Musik rein.

Es ist wie gesagt schwierig, uns in eine Schublade zu packen und zu sagen, das ist jetzt Metal, das ist jetzt Rock oder Gothic. Wir sind einfach alles ein bisschen.

Albumcheck: Musikalisch finde ich Euch recht stringent, von der ersten zur zweiten Platte kann ich einen Roten Faden klanglich erkennen. Von den Medien werdet Ihr aber recht widersprüchlich bewertet, was ich so gelesen habe. Entweder „total klasse“ oder „nicht so toll“. Wie nehmt Ihr das auf?

Sauer: Die meisten Sachen, die nicht toll rüberkamen, waren aus dem amerikanischen Bereich, meine ich. Ich glaube, die stehen einfach nicht auf Bands, die nicht aus Amerika kommen (lacht), deswegen ist das glaube ich auch nicht unser Markt, wo wir hinmüssen. Die meisten Reviews aus Europa waren eigentlich eher positiv. Da wüsste ich jetzt keinen richtigen Verriss. Jedenfalls habe ich da nichts entsprechendes mitgekriegt.

Es gibt einfach viele, denen ist das eine zu weich und das andere Lied zu hart, naja. Damit können wir ganz gut leben. Es muss nicht jedem gefallen, wenn es uns gefällt, dann ist das erstmal das wichtigste.

Albumcheck: Und habt Ihr denn schon wieder etwas neues in Arbeit?

Sauer: In der Tat- wir haben lustigerweise vorige Woche ein Akustik-Album fertiggestellt, aus der beiden ersten Alben. Wir haben uns die besten Songs herausgepickt und auf akustisch umarrangiert. Ich kann aber noch nicht genau sagen, wann das veröffentlicht wird.

Albumcheck: My Inner Burning Unplugged nur ohne MTV? Besser ist das?

Sauer: Naja, bei denen muss man ja mittlerweile draufzahlen, um das sehen zu dürfen.

Nichtsdestotrotz, unser nächster richtiger Heavy-Output ist auch schon in Arbeit. Wir sind schon dabei, Songs zu schreiben für die nächste „richtige“ Platte. Damit werden wir wohl im Sommer oder Herbst fertig werden und dann ins Studio gehen.

Albumcheck: Ja, von meiner Warte aus war’s das erstmal. Hast Du noch irgend etwas, was Du den Fans mitteilen möchtest?

Sauer: Jaaa…

Albumcheck: Kauft die Platten!

Sauer: Erstmal den üblichen vielen Dank für die Unterstützung! Wir müssen wirklich sagen, dass wir natürlich immer happy sind, dass es Leute gibt da draußen, die unsere Musik auch gut finden und uns unterstützen, ansonsten müssten wir das gar nicht machen.

Wir danken Torsten Sauerbrey von My Inner Burning für das Interview!

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

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