Albumcheck | Puder von Puder

Was ist Puder? Puder ist Glitter. Puder ist Glamour. Puder ist rau. Puder ist Zucker für die Seele ohne Soul zu sein. Puder ist Disco ohne Disco, aber mit Discobeats. Puder ist Pop. Puder ist tanzbar. Puder ist die Reduktion aufs Wesentliche. Puder macht Spaß. Puder ist weiblich und kommt aus Hamburg und heißt eigentlich Catharina Boutari. Mit ihrem viertem Longplayer „Puder“ startet die deutsche Sängerin richtig durch. Erscheinen wird das Werk am 20. Januar auf dem Label Pussy Empire.

Das Album „Puder“ hat musikalisch einiges zu bieten. Was vielleicht daran liegen mag, dass es Puder um die Tanzbarkeit ihrer Grooves geht. Die Hammondorgel jault und brennt. Catharina singt „ und ich steh nicht und ich dreh mich, und ich tanze, ich beweg mich, meine Hände, meine Träume, meine Haut ist ihre Beute, Funken fliegen, ich erliege und die Crowd vor mir macht aah!“ in aberwitzigem Tempo auf einen Discobeat, der so stoisch gespielt wird, als sei er programmiert.

Aus der schlichten Aufforderung Tanz von „Puder“ wird ekstatisches Kopfschütteln in „Click Clack“. Der Keyboardsound setzt sich mit seiner Hook im Gehirn fest und stiehlt dem coolen Bass für kurze Zeit die Show. Catharina singt über den Wahnsinn des Alltags und der Chor antwortet „shake it, shake it baby, baby shake it, schüttel Deinen Kopf“.

Bei “Meinen Kindern die Welt“ schleppt das Schlagzeug den Groove und die Orgel das Riff schwer wie 1000 Steine hinter sich her.

Textlich ist dies der mit Abstand der ernsteste Song des Werks, schließlich geht es hier um die Unfassbarkeit von Völkermord. Inspiriert zu diesem Song wurde Catharina durch eine Dokumentation zum Thema im Fernsehen. Sie benötigte Wochen, um die Sprachlosigkeit in Worte zu fassen. Der Refrain zitiert Peter Fox „Haus am See“. Allerdings nicht im Frieden, sondern im Krieg. Sehr melancholisch.

Die erste Single-Auskopplung „Großstadtkonkubinen“ erzählt von der Großartigkeit des Stadtlebens. Der Titel swingt gut und wirkt frisch. Eine Hymne für Großstadtbewohner. „Ich bin eine von uns, ich bin eine von vielen, ich bin eine von denen die nichts anderes wollen….die nie mehr gehen“ flüstert Catharina und trifft in ihrer Zerbrechlichkeit mitten ins Herz.

Überhaupt die Stadt. „Puder“ ist textlich eine sehr urbane CD geworden.

Nächte auf Hochäusern wie in Sturm, Dramen an der Bordsteinkante: „Ich steh am Straßenrand, der Abgrund kurz vor mir, mein Land ist abgebrannt“ in Straßenrand sowie der Track Heyoh!, der wohl die Formel für’s Lebensglück beiinhaltet.

Puders musikalische Reise endet im hochenergetischen Song „Parolen“. Akustik-Club-Punk, der treibt und fordert. Catharina skandiert mit leichter, aber unerbittlicher Stimme. Immer an der richtigen Stelle.
„Parolen, Parolen, nichts als dreckige Parolen. Du hast Parolen und ich hab ’nen Sack voll Gold. Parolen, Parolen, hohle Phrasen, alles nur gestohlen, Du stehst auf Silber und Du kriegst den Mund nicht voll“.

Auf emotionaler sowie psychologischer Basis bietet Puder ein einzigartiges musikalisches Erlebnis. Ausnahmslos schön und dennoch kritisch. Gut gelungen.

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