Albumcheck | me.me. von Plushgun

Mit dem Song „Dancing In A Minefield“ wurden Plushgun auch in Deutschland bekannt. Kein Wunder, war der Track auf dem Soundtrack von KeinOhrhasen vertreten. Und der Name „Plushgun“ lässt einen aufhorchen. Was ist das für eine komische Kombination? Ein plüschiger Revolver? Wie soll das denn bitte funktionieren?

Dan Ingala, der Kopf der Band, hat bewusst einen Namen gewählt, der widerstreitende Assoziationen weckt. „Die Idee habe ich von all den 80er-Jahre-Bands, die einfach zwei Wörter, die nicht zusammenpassen zum Bandnamen gemacht haben. An Plushgun gefällt mir, dass der Name etwas evoziert das gleichzeitig kuschelig und scharfkantig ist.“

Auch sonst wurde der Bandleader Dan Ingala sehr stark von der Musik der 80er beeinflusst. „New Order, Depeche Mode, Duran Duran, Human League – das war das letzte Mal, dass Dance Music etwas zu sagen hatte.“ Für einen Amerikaner, der ursprünglich aus Boston stammt und als Teenie nach Brooklyn, New York gezogen ist, scheint diese Begeisterung für britischen Synthie Pop wohl eher seltsam. Noch seltsamer war, dass er zudem noch Tschaikowsky gehört hat, was allerdings an der klassischen Musikausbildung gelegen hat.

Für ihr mittlerweile zweites Album „me.me.“ ist die Band ins Studio gegangen, was ihrem Sound eine neue Richtung gegeben hat, während Album Nummer 1 noch zu 95% eine Solo Homerecording Angelegenheit gewesen ist.

„Ich habe für ‘Me. Me’ vor allem mit analogen Synthies gearbeitet, was dem ganzen einen wärmeren und druckvolleren Sound gibt.“ schmunzelt Dan. Und das ist durchaus hörbar. Wer allerdings reinen Disco-Synthie erwartet, ist falsch gewickelt.

Plushgun klingen eher wie klassischer Indie Pop und College Rock von der beschwingten Sorte, ohne von amerikanischen Rock beeinflusst worden zu sein. Manchmal klingt die Scheibe jedoch etwas zu „sonnig“.
„The Prom Queen“ ist ein Track, der über ein „Transgender Kid“ handelt, dass gern im Kleid zum Abschlussball gehen möchte, um danach im Nachtzug die Stadt zu verlassen und nie mehr zurückzublicken.

„Live In Binary“ bezieht sich auf das Internet und soziale Netzwerke in einer eher sarkastischen Weise. Es geht um die seltsame, komplizierte Beziehung die wir zum Internet haben und wie das Netz unsere sozialen Fähigkeiten beeinflusst. Und wie man sich abmüht mit seiner Musik Leute zu erreichen und dann von einem Typen, der auf YouTube mit einem Laserschwert herumfuchtelt in den Schatten gestellt wird. In einer Mischung aus Warhol’scher Affirmation und politischem Aktivismus (er hat Politik studiert) nähert sich Dan diesen und anderen Phänomenen. Denn natürlich ist auch Dan überall dabei. YouTube, MySpace, Facebook, Twitter – you name it. Und – bei aller Kritik – er liebt es.

Wie er auch auf der ersten Single des Albums „I Like It“ singt, einem Duett mit der Freezepop Sängerin Christmas Disco-Marie Sagan, einem Song, der so offensichtlich wie kein zweiter auf diesem Album vom 80s-Dance-Pop beeinflusst ist.

Dennoch bieten Plushgun mit ihrem nachdenklichen und beschwingten Pop eine gute Mischung, die abgeht. Definitiv hörbar.

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