Albumcheck | Naima Husseini von Naima Husseini

Ihr Name klingt wie die Sünde, ihre langen braunen Haare umspielen ihr klares Gesicht. Doch wer die Debütscheibe „Naima Husseini“ von der gleichnamigen Sängerin anspielt wird überrascht sein. Beinahe wäre aus der Wahl-Berlinerin zusammen mit ihrer Band Silvester ein Pop-Act geworden. Die Pläne dazu, lagen schon in der Schublade von Universal Music. Husseini’s experimenteller Sound wurde zu massentauglichem Pop umgewandelt und wie so oft, kam nach der Veröffentlichung der ersten Single „Du willst mehr“ die Ernüchterung. Ihr damaliges Album wurde nicht veröffentlicht. Nun gut zwei Jahre später startet die Musikerin erneut durch. Ihrem Label ist sie treu geblieben.

Mit „Naima Husseini“ hat die Künstlerin nun ihren eigenen Weg gefunden. Ihre Klangwelten erinnern an Feist oder Lykke Li, mit dem Unterschied, dass Husseini in deutscher Sprache singt. So finden düstere Pop-Melodien ihren Weg auf die Scheibe, die zugleich im Gedächtnis bleiben. Die künstlerische Selbstfindung hat dem Musik-Talent gut getan. Jetzt ist die Zeit reif für Naima Husseini. Sie bietet die perfekte Ein-Frau-Show.

Ihre Songs sind recht unkonventionell, die auch abseits der gängigen Charts zu überzeugen. Der Opener „Oben ist unten“ lässt es bereits ordentlich krachen. Gitarren, Schlagzeug, Synthesizer, aggressive Bassline: Alles wirbelt durcheinander. Die wirre Atmosphärewird jedoch mit Naimas Stimme beruhigt.

Au revoir tristesse ist der strahlende Nachfolger. Die Ballade weist einen schönen Refrain und effektvolle Gitarren- und Klavierklänge auf. Etwaige Ecken und Kanten passen sich gut an und überzeugen auf ganzer Linie.

Titel Nummer 3 bildet der Track „Mir fehlt nichts“, der sich mit hohen Klimpertönen glänzt und sich mit Naimas Stimme zu einer treibenden Einheit verbindet.

Die schonungslose Abrechnung findet sich in „Ohne dich“ wieder. Textlich gut umgesetzt. Eine dezente Gitarrenlinie und schöne Klavierklänge lassen „Wiedersehen“ zu einer brillanten Ballade heranwachsen, die ihren Ursprung in den 80ernhaben könnte. Rockig und Poppig zugleich und mit einem ordentlichen Schwung ausgestattet zeigt sich „Du willst mehr“. Melancholisch wird man bei „Vermisst“, der mit einer der besten Songs auf dem Longplayer ist, obwohl er etwas surreal erscheint.

Bei „Ein Schritt vor“ ertappt sich der Ohrenzeuge beim Mitwippen, der Song ist die optimale Tanznummer. Dabei handelt der Track eigentlich vom Stilstand einer Lebensphase. „Komm mit“ reißt den Zuhörer aus seinem Schlaf. Die Klangwelten in diesem Lied sind nicht zu erfassen, erst die Stimme der Sängerin bringt etwas Ruhe ins Bild. Den krönenden Abschluss bildet „Unterwegs“. Die unterschiedlichen Klangpassagen klingen häufig etwas befremdlich, können im Gesamtkonzept jedoch ohne Probleme mithalten.

Ein wenig fernab des Mainstreams wird auch dieser Longplayer seine Freunde finden.

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