Albumcheck | Keine süßen Honigkinder: Honningbarna

Kristiansand ist ein eher beschaulicher Ort in Norwegen. Und ausgerechnet aus diesem kommt ein mittlerer Höllenlärm, der entfernt an die ungarische Prä-Glasnost-Untergrundcombo Európa kiadó erinnert. Nur viel rabiater. Und sehr laut. Manchmal finde ich etwas schade, dass die Dynamik der Musik zugunsten einer maximalen Lautstärke auf dem Tonträger geht, wie bei den meisten Bands heutzutage.  Dadurch ist das Ganze nicht mehr wirklich steigerungsfähig. Doch dies ist fast der einzige Wermutstropfen. Der zweite dürfte für die meisten sein: man versteht kein Wort, wenn man nicht irgendwarum Norwegisch gelernt hat. Doch die Übersetzungen werden nicht lange auf sich warten lassen.

Der Erfolg gibt ihnen Recht, haben die Jungs doch immerhin dieses Jahr das legendäre Roskilde-Festival gerockt. Frontzwerg Edvard Valberg nicht ohne Grund schreit, denn die Lieder enthalten die protestierende Wut junger Menschen, die ein Teil der Bewegung sind, neben Anonymous und Occupy. Die nicht mehr stumm zusehen will. Entsprechend wenig Raum bleibt für Balladen, nämlich gar keiner.

In einer Welt, in der sich noch immer Völker massakrieren, massakrieren Honningbarna ihre Instrumente. In einer Welt, in der  der Ruf nach Freiheit und Selbstbestimmung immer lauter wird, schreien sie.

Honningbarna sind keine Honigkinder. Und „La Alarmane Gå“ ist kein Kuschelrock.

Ulf
Ulf
Geboren. Größer, aber nicht wirklich groß und älter, aber nicht erwachsener geworden. Klassische Gitarre gelernt. In Bands gespielt wie "Scheißhausterror". Metalhead. Spezialist für Musik der englischen Renaissance und älter.

2 Comments

  1. Schreckgespenster sagt:

    Frontzwerg: wie geil!

  2. Metal-Redakteur macht Arbeit!…

    Zuerst dachte ich ja, das werde alles ganz einfach. Wer will schon Metal, dachte ich, und richtete mich darauf ein, gelegentlich mal eine Plattenkritik für Albumcheck.de zu verbrechen. Nunja…….

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