Interviewcheck | Im Gespräch mit Jini von Luxuslärm Teil II

Hier geht es weiter mit dem zweiten Teil des Interviews mit Jini von Luxuslärm.

Jini: Erst in diesem Jahr ist mir so richtig bewusst geworden, als Leute vor uns standen und sich Tattoos von Luxuslärm auf den Körper tätowiert hatten. Da stand ich mich großen Augen davor und dachte nur: „Alter Schwede, jetzt wird es ernst“. Die Menschen haben Luxuslärm als einen Teil ihres Lebens angenommen.

Albumcheck: Wie fühlt man sich dabei, wenn man so etwas sieht?

Jini: Eigentlich nicht ganz so cool. Ich wusste ehrlich nicht, ob ich jetzt lachen oder weinen sollte. Ich habe meinen Finger nass gemacht; so nach dem Motto, das kann man doch wieder abwaschen. Auf der einen Seite ist man natürlich sehr stolz, da es den Menschen so sehr berührt, dass er es sich für die Ewigkeit in die Haut eintätowiert. Auf der anderen Seite war mir etwas seltsam zu Mute. Dabei hatte sich der Fan so gefreut, das Tattoo zu haben und es mir zu zeigen.

Albumcheck: Vielleicht hat man als Künstler auch Bedenken, was denn wäre wenn man als Band, sagen wir mal in 20 Jahren, keine Musik mehr machen.

Jini: Genau. Ich habe den Fans gefragt, was wäre, wenn ich in fünf Jahren Probleme mit meiner Stimme habe und keine Musik mehr machen könnte. Die Antwort kam prompt, denn die Musik von uns Luxuslärmern bleibt ja trotzdem.

Albumcheck: Das ist doch aber eine süße Antwort.

Jini: Ja klar. Das hat mich dann zufrieden gestellt, allerdings habe ich mir später trotzdem darüber Gedanken gemacht. Wir haben selbstverständlich noch ganz andere Fotos von Tattoos bekommen. Teilweise mit Gitarre und geschwungener Schrift. Es sind wirklich total gut aus. Allerdings ist es schon ein heftiger Schritt.

Albumcheck: Da merkt man auch, dass ihr von euren Fans einen unheimlichen Support habt. Bei Youtube habt ihr beispielsweise über 10 Millionen Aufrufe. Macht euch das ein bisschen stolz?

Jini: Ja, total. Ich habe das anfangs gar nicht geglaubt. Das hätte ich mir niemals erträumen lassen. Ich glaube auch, dass ist so ein bisschen das Geheimnis von Luxuslärm. Wir haben immer die Nähe zu den Fans gesucht, wo andere Bands vielleicht gesagt hätten: „Ich will jetzt aber mal eine Pause haben.“ Wir haben gesagt: „Wir wollen nach einem Konzert raus gehen, wir wollen Kommentare hören, wir wollen wissen wie der Sound war, ob es den Leuten gefallen hat und wie es den Leuten geht.

Durch diese Gespräche sind auch viele Songs auf den Alben entstanden. Wo uns wirklich jemand von seiner Arbeitslosigkeit erzählt hat. Nach 18 Jahren in einem festen Job wurde er einfach vor die Tür gesetzt. Es sind so liebe Fans, die uns so ans Herz gewachsen sind. Manche Geschichten haben uns wirklich schlaflose Nächte bereitet. Ich weiß nicht wie es ist, nach 18 Jahren aus dem Job geschmissen zu werden. Also setzen wir uns einfach hin und versuchen uns in die Menschen hineinzuversetzen. So ist zum Beispiel der Song „Du weißt nicht wie das ist“ entstanden.

Die Nähe zu unseren Fans macht unwahrscheinlich viel aus. Sie wissen, sie können sich auf uns verlassen. Und wenn wir mal nicht rauskommen, wissen sie auch, dass es nicht böse gemeint ist, es hat immer einen Grund. Ich oder jemand der Jungs ist krank. Oder auch, wenn wir direkt zum nächsten Termin huschen müssen. Unsere Fans sind wie gute Freunde für uns. Das gibt uns einfach sehr sehr viel. Auch bei Publikumspreisen, unser Fans nehmen sich wirklich frei und voten, voten, voten. Es tut total gut, zu wissen, unsere Fans sind da. Ihre Meinung ist uns wirklich wichtig. Die Menschen spüren, dass wir auf Augenhöhe sind und es auch bleiben werden. Egal wie groß die Hallen vielleicht mal werden. Wir sind nicht unerreichbare Superstars.

Albumcheck: Dafür habt ihr jetzt auch einen Song für eure Fans geschrieben.

Jini: Genau. Das lag mir sehr am Herzen und schon lange auf der Seele. Auch gerade in der Zeit, wo uns die Drei verlassen haben noch einmal so einen Support zu bekommen. Die Wörter sprudelten einfach aus uns raus. Es war an der Zeit, einfach mal danke zu sagen, fürs zuhören, fürs feiern. Das bedeutet uns ganz viel und ich hoffe, dass unsere Fans auch wissen, dass der Titel für sie ist.

Albumcheck: Ihr habt einem Song auf eurem neuen Album, der sich „Mehr Gewicht“ nennt. Welche spezielle Aussage steckt dahinter?

Jini: Was mich in den letzten Monaten viel beschäftigt hat, ist das ich vielen Menschen (auch im Musikgeschäft) begegnet bin, die arg auf ihr Image und auf ihr Aussehen achten. Immer „Size Zero“ tragen. Ich bin jemand, ich esse gern Hamburger, ich esse gerne Chips. Natürlich muss ich auch auf mich achten, aber irgendwie hat das keinen so hohen Stellenwert.

Albumcheck: Ich esse auch wonach ich Lust habe. Ich setze mich allerdings auch auf’s Fahrrad und fahre mal eben 40 Kilometer durch die Gegend.

Jini: Es ist schlimm, dass schon junge Mädchen mit dem Thema Abnehmen anfangen. Und manche Menschen in der Öffentlichkeit sind sich ihrer Vorbildfunktion gar nicht bewusst. Auch wenn ich vielleicht auch gar kein Vorbild sein will, du wirst automatisch von den Kids in diese Rolle gebracht. Der Text des Liedes ist einfach so rausgesprudelt und dann haben wir uns getraut, Culcha Candela anzusprechen. Wir haben irgendwie fünf Festivals zusammen gespielt.  Ich hätte es gar nicht erwartet, da ich dachte, sie wären ausgebucht, allerdings waren sie so offen für eine Zusammenarbeit. Culcha Candela fanden das Thema klasse und haben uns sofort unterstützt. Sie haben die dritte Strophe gerappt. Wir waren richtig geflasht.

Albumcheck: Mir ist etwas in dem Song ins Auge gesprungen. Wie seid ihr eigentlich auf „Google light“ gekommen?

Jini: Wir haben ja einmal so ein bisschen reflektiert. Wie Size Zero. Oder ich hab tierisch Bock auf Haribo….Und dann aber auch, hier fehlt was, was mehr Gewicht hat. Viele drehen sich wie ein Fähnchen im Wind, weil man ja keinen Ärger oder Stress haben will. Dabei macht dies einen Charakter aus, auch mal „Nein“ zu sagen. Und „Google“ ist so das Wissen was man hat und „Google light“ ist halt wegen Cola light und solchen Sachen. Trotz des Wissens ist alles nur noch sehr oberflächlich und aus diesem Zusammenhang sind wir halt auf „Google light“ gekommen.

Albumcheck: Ich sage immer zu Leuten, wer Coke Light trinkt, der kann einem nur leid tun. Ihr habt dem Album den Namen „Carousel“ gegeben. Fährst Du gern Karussell?

Jini: Ja, sehr. Ich versuche Jan immer zu überreden, in allemöglichen Karussells zu gehen. Wie Breakdance.

Albumcheck: Hey, das ist wirklich cool.

Jini: Als ich Teenager war habe ich es zehnmal nacheinander geschafft. Jetzt kann ich noch zwei, dreimal hintereinander fahren. Danach wird mir auch ein wenig schwindlig. Jan fährt meist nur einmal.

Albumcheck: In Düsseldorf auf der großen Kirmes gibt es das Breakdance immer.

Jini: Karussells erinnern mich immer an meine Kindheit. Damals hat es mir das Strahlen in den Augen gegeben. Deswegen haben wir uns für den Albumtitel entschieden. Das Karussell des Lebens. Dein Leben kann so unheimlich schnell aber auch totlangweilig sein. Es kann ganz hoch hinausgehen. Du aber auch schweinetief fallen kannst. Das Leben ist bunt und hat einfach so viele Facetten. Wir fanden das so interessant. Deswegen auch das Foto von einem Karussell auf dem Cover. Anfangs hatte das Foto einen ganz schönen rosa Himmel. Ein Zuckerwattenhimmel. Das Foto ist richtig geil, aber das Leben ist nicht immer schöner blauer Himmel. Also haben wir das Cover etwas mystischer gestaltet. Unten im Bild scheint trotzdem die Sonne. Es ist eine sehr schöne Mischung und es beschreibt sehr gut dieses Album, wo es um so viele Textzeilen im Leben geht, die dich ganz hoch hinaus tragen, es aber auch genauso in die andere Richtung geht.

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