Interviewcheck | Im Gespräch mit Jini von Luxuslärm Teil I

Ich habe schon eine Menge Interviews führen können und irgendwie vergleicht man alle miteinander, obwohl man es nicht will. Allerdings gibt es Musiker, die einen in Erinnerung bleiben, bei denen der Funke direkt überspringt. Die kleinen Diamanten, die Normalen, die nicht auf einen Sockel gehoben werden wollen. Künstler, die so sind wie sie sind. Die darauf scheißen, was andere denken. Die, die ihr Ding machen. Und genau das Gefühl habe ich empfunden, als ich mit Jini von Luxuslärm gesprochen habe.

Aus dem geplanten 15-minütigen Interview wurde schnell eine knappe Stunde, da wir uns so richtig verquatscht haben. Frauen unter sich können sowieso Stundenlang über alles mögliche Labern. Doch zu eurer Info: das sind die besten Interviews! Es hat soviel Spaß gemacht, dass wir euch das Interview in mehrere Artikel aufspalten, da es sonst zu lang zum Scrollen wäre. Dafür erhaltet ihr jedoch viele, viele Infos. Außerdem wollten wir das Interview so authentisch wie möglich rüber bringen.

Albumcheck: Na dann fangen wir mal an. Frisch, fromm, fröhlich und frei. Geht’s Dir gut, Jini?

Jini: Ja, alles gut. Danke.

Albumcheck: Bist Du bei Interviews nervös?

Jini: Nein, eigentlich nicht mehr. Am Anfang war das zwar noch sehr neu und komisch für mich. Gerade beim ersten Album gab es sehr viele Leute, die uns das alles nicht so zugetraut haben. Das war anfangs schwierig für mich selbstbewusst und freundlich auf die Fragen zu antworten. Dann gab es Leute, die gesagt haben: „Ach, das schafft ihr doch eh nicht“. Mittlerweile ist das alles ganz easy.

Albumcheck: Gab es wirklich Leute, die euch auf den Kopf zugesagt haben, das schafft ihr nicht?

Jini: Natürlich. Ich denke, das hast du in jedem Beruf, nicht nur als Musiker. Es gibt immer jemanden, der dir irgendetwas nicht zutraut oder das man schnell in eine Schublade mit anderen Bands gepackt wird. Auch das gesagt wird: „Das haben wir ja alles schon.“ Das sind meistens Menschen, die einem leider nicht die Chance geben wollen. Ich hatte einige vor mir sitzen oder auch am Telefon, wo ich mir einfach dachte: “Wow, die sind ja selbstbewusst.“

Albumcheck: Das ist krass. Ich würde mir das richtig schrecklich vorstellen.

Jini: Das war natürlich nicht einfach. Auch schlimme Rezensionen, die dann über das erste Album geschrieben wurden. Das haut dich einfach von den Socken, weil du soviel Arbeit und Liebe investierst. Aber es ist interessant gewesen, verschiedene Meinungen zu hören. Beim zweiten Album wurde es dann viel besser und viel einfacher. Und dann gab es Stimmen, die sagten, das, was die Luxuslärmer da machen ist live echt eine Macht. Die Kritiker wurden ein bisschen erstickt. Beim dritten Album hoffe ich einfach, dass wir alle überzeugen können.

Albumcheck: Wir haben den Longplayer bereits rezensiert und uns hat es eigentlich ganz gut gefallen. Ihr habt 10 von 10 möglichen Sternen erhalten. Volle Punktzahl. Wir haben die CD direkt druckfrisch erhalten.

Jini: Wow. Danke. Vor zwei Tagen habe ich sie auch das erste Mal in den Händen gehalten und da bin ich ganz, ganz stolz. Die Reihenfolge der Songs ist wirklich schön und es ist für Jeden etwas dabei. Viele Fans hatten Angst wir könnten ein Hip Hop Album machen, da wir mit Culcha Candela zusammen gearbeitet haben. Unsere Fans haben einfach an unseren Stil gewöhnt. Aber wir machen keine Musik, nur damit sie anderen gefällt. Auf dem Album sind wirklich schöne rockige Sachen dabei, es sind Balladen dabei und natürlich haben wir auch etwas anderes probiert. Viele werden sich auch in den Texten wiederfinden. Trotzdem bleibt der alte Luxuslärm-Stil erhalten.

Albumcheck: Das ist auf jeden Fall zu hören. Außerdem entwickelt man sich als Mensch weiter. Ebenso wie die Musik sich parallel dazu weiter entwickelt. Es gibt Künstler, wie beispielsweise Depeche Mode, die machen seit 30 Jahren Musik und erfinden sich immer wieder neu. Du kannst als Musiker ja nicht irgendwo stehen bleiben.

Jini: Ja, da hätte ich auch große Angst vor, als Musiker einfach stehenzubleiben. Ich möchte nicht unkreativ bleiben und nicht einfach nur noch das selbe zu machen, nur um es zu machen. Das habe ich mit der Band besprochen. In den letzten sechs Jahren haben wir es geschafft uns immer wieder neu zu erfinden. Wir konnten in vielen Gästebucheinträgen lesen, dass wir immer noch einen „drauf legen“. Egal bei welcher Platte oder bei welcher Tour. Das tut natürlich gut zu hören. Ich finde es wirklich schön ein solches Feedback zu bekommen.

Albumcheck: Das kann ich verstehen. Ihr habt ja jetzt innerhalb von zwei Jahren zwei Alben veröffentlicht. Da müsst ihr vor lauter Ideen einfach nur so übersprudeln?!

Jini: Ich frag mich manchmal selber, wann wir das noch alles machen sollen. Zirka 120 bis 130 mal im Jahr stehen wir auf der Bühne, was ich total liebe, da wir einfach eine Live-Band sind. Du bist so nah am Publikum, du hast direkt die Reaktionen des Publikums auf jeden einzelnen Song und du kannst direkt mit ihnen in Kommunikation treten. Das ist mit einem Album an sich etwas schwieriger. Du stehst im Studio. Die Studioarbeit möchte ich auf keinen Fall missen, dennoch ist Live-spielen einfach das, was uns ausmacht.

Beim dritten Album hatten wir ein halbes Jahr Zeit und haben von Dezember bis Juli so richtig durchgepowert. An den Tagen wo wir Zeit hatten, haben wir so richtig Gas gegeben. Teilweise waren wir 16 Stunden im Studio. Das war zwar richtig heftig, allerdings stand auch eine Menge Spaß dahinter. Anfangs wussten wir überhaupt nichts mit Studioarbeit anzufangen, da wir vor dem ersten Album noch nie in einem Studio waren. Jetzt ist es allerdings sehr einfach geworden. Viele Menschen in der Musikbranche sagen immer das zweite und das dritte Album wäre so schwer, da man sich unter Druck setzt. Bei uns ist dies zum Glück gar nicht vorgekommen.

Wir hatten eher ein befreiendes Gefühl. Ich konnte endlich loslegen. Wir haben einfach vieles ausprobiert und wenn es daneben ging, war es nicht schlimm. Das zweite und das dritte Album zu schreiben und zu produzieren war also sehr viel einfacher. Beim ersten Album waren wir uns noch nicht so einig, wohin die Reise denn so gehen soll. Auch musikalisch war dies so. Jeder von uns Fünf hat so seine eigenen Ideen im Kopf, wie der Sound sein sollte. Jeder hatte andere Inspirationen.

Albumcheck: Das muss man ja auch erst einmal unter einem Hut bekommen.

Jini: Beim ersten Album war das alles viel schwieriger und jetzt weiß man genau, wohin wir gehen wollen.

Albumcheck: Jetzt zum dritten Album haben Eugen, David und Henrik die Band verlassen, um sich eigenen Projekten zu widmen. War das ein harter Schlag für Dich? Hast Du gedacht, jetzt ist irgendwie alles aus?

Pressefoto © Credit S.Niehoff

Jini: Den Gedanken hatte ich nie. Es gab immer schon länger Gespräche mit den Jungs. Unser damaliger Bass-Mann Eugen wollte schon immer studieren. Wir haben gesagt, dass er am zweiten Album noch mitwirken soll, danach wäre auch noch Zeit dafür. Das einfach ein bisschen naiv gedacht. Wir dachten es wird weniger, aber die Termine nehmen zu. Promos, Interviews und Touren. Das Studium kriegen wir schon irgendwo unter. Ich kann es wirklich nachvollziehen, Eugen wollte schon immer studieren. Er hat lange mit uns darüber gesprochen.

Bei unserem Keyborder war es so, dass er letztes Jahr geheiratet hat. Und die beiden möchten natürlich eine Family gründen. Ich respektiere und akzeptiere seine Entscheidung. Aber auf der anderen Seite gab es natürlich auch Tränen. Es sind halt meine Jungs. Wir haben Luxuslärm zusammen gestartet. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie schwer das für die Partnerin sein muss, dessen Ehemann die ganze Zeit unterwegs ist.

Wir sind nicht im Streit auseinander gegangen, so wie es vielleicht bei anderen Bands passiert ist. Da bin ich wirklich sehr dankbar. Es hätte schließlich auch anders ausgehen können. Dadurch, dass wir immer viel in Kontakt standen und sehr viel miteinander gesprochen haben, haben wir zusammen entschieden einen sauberen Schnitt zu machen. Wie wir ja jetzt wissen, wird die Arbeit nicht weniger. So haben wir beschlossen, mit dem dritten Album einen Schlussstrich zu ziehen. Es wäre auch nicht gut gewesen, wenn die drei die Tour noch hätten mitgespielt. Das wäre unfair den Jungs und auch den Fans gegenüber gewesen. Wir kommen damit gut klar. Zudem haben wir gleich drei neue Musiker gefunden, die alle total aufgeregt waren.

Jan und ich waren natürlich auch nervös und hatten Kribbeln im Bauch. Das erste Wochenende zusammen gespielt und die Jungs waren so happy, dass das Publikum sie so gut angenommen und sie quasi getragen haben. Die Jungs kannten das halt gar nicht. Es war ein ganz tolles Wochenende für uns alle. Mir ist ein richtig großer Stein vom Herzen gefallen.

Albumcheck: Auf eurer Homepage konnte ich lesen, dass ihr eure Fans dazu aufgerufen habt, kein böses Blut aufkommen zu lassen. Das fand ich wirklich eine ganz tolle Aktion.

Jini: Wenn wir die Jungs jetzt rausgeschmissen hätten, dann wäre das was ganz anderes. Ich kenne das selber, die Fans wissen dann nicht wohin mit ihrer Wut. Die hauen ab und dann haue ich jetzt mal drauf. Wir wollten das nicht. Und um dem entgegen zu wirken, haben wir unsere Fans dazu aufgefordert, keine bitterbösen Mails zu schreiben. Wir verstehen uns alle noch ganz gut. Es sind auch ganz wenige böse Mails gekommen. Die Fans unterstützen uns weiterhin und wünschen den Drei alles Gute. Natürlich waren manche Fans, die sich auf die einzelnen Musiker eingeschossen haben, etwas böse, traurig und enttäuscht. Das ist natürlich okay und daher haben wir sie dazu animiert uns zu schreiben. Die Fans sollten sich nicht wie „allein gelassen“ fühlen. So konnten sie uns beispielsweise eine meterlange E-Mail schreiben und beschreiben, wie sie sich fühlen.

Albumcheck: Das ist klasse.

Jini: Man kann solche Prozesse einfach nicht aufhalten. Da fühlt man sich als Fan schon ein wenig hilflos. Wir haben kurze Mails bekommen, ebenso lange Mails. Es war toll zu hören, dass die Fans weiterhin zu uns stehen.

Albumcheck: Ich möchte ja nur an die Trennung von Take That erinnern.

1 Comment

  1. […] Hier könnt ihr Teil 1 des Interviews lesen […]

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