Interviewcheck | Im Gespräch mit Handmach-Rocker Marceese

Das neue Album “Straßen Richtung Süden” des deutschen Singer-Songwriter Marceese haben wir bereits vorgestellt und für sehr gut befunden. Selbstverständlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, den Musiker nach seinen Hintergründen und Ideen zu fragen, die ihn dazu bewogen haben, den Longplayer zu veröffentlichen. Klickt einfach auf Countinue Reading und ihr könnt vieles über Marceese erfahren.

Albumcheck: Dein neues Album „Straßen Richtung Süden“ steht in den Startlöchern. Wie bist Du auf diesen Namen gekommen?

Marceese: Inspiriert hat mich der Jimi-Hendrix-Song „Drivin south“, ich hatte auch damals schon überlegt mein erstes Solo-Album so zu nennen, bin aber davon abgekommen. „Straßen Richtung Süden“ bedeutet für mich, auf dem Weg sein – dem Weg zum Inneren. Und „Straße“ hat auch immer etwas mit Dreck zu tun, halt Rock.

Albumcheck: Wie würdest Du Dein Album in einfachen Worten beschreiben?

Marceese: Es ist ein tiefer intimer Einblick in meine Person – es sind wahre ehrliche Worte. Und gut gemachte unabhängige Rockmusik zwischen Folk, Blues und Songwriter. Am besten ich nenne jetzt meine Website…

Albumcheck: Haha, das könntest Du tun. Sie ist auch im oberen Teil unserer Artikel eingeblendet. Aber was gefällt Dir eigentlich am Besten auf Deinem Longplayer?

Marceese: Am besten gefällt mir, dass ich so viele tolle und liebenswürdige Gastmusiker für die Aufnahmen gewinnen konnte. Jeder blitzt auf seine Weise und alle hatten die ganze Zeit gute Laune. Herrlich.

Albumcheck: Die gute Laune ist auf dem Album deutlich zu hören. Du tingelst durch ganz Deutschland. Fühlst Du Dich nicht manchmal etwas einsam?

Marceese: Schon. Wenn du mit einer Band auf der Bühne stehst, hast du immer jemanden zum lachen oder zumindest zum zuzwinkern. Wenn das Publikum keinen Bock auf dich hat, drehst du die Amps auf und sagst: „Scheiß drauf, wir rocken jetzt für uns!“ Alleine ist das schon oft ne harte Nummer. Zumal meine Songs auch nicht unbedingt den Sonnenschein und das Meer besingen, eben keine Party-Dancefloor-Kracher. Ernste Lieder zum Zuhören und auch manchmal zum Nachdenken. Das zieht dann schon mal runter, haha.

Albumcheck: Ja, es ist nicht alles heiter Sonnenschein. Hauptsache Du hast Fun und genießt die Zeit. Du kennst doch sicherlich das Kinderspiel „Ich packe meinen Koffer“ . (keine Angst, wir machen jetzt keine Gedächtnisübungen) Was muss auf Deinen Reisen bzw. Tour unbedingt in Deinen Koffer?

Marceese: Die Gitarre. Am besten noch Ersatzsaiten, ein Verstärker und ein Kabel. Alles andere ist verzichtbar. Ach und eine super Erfindung der Neuzeit: Das Navi. Genial, vor allem wenn man in Städte fährt in denen man noch nie vorher war.

Albumcheck: Naja, so genial ist das auch nicht. Vor allen Dingen, wenn Dir das Navi auf der Autobahn anzeigt, man solle „links“ abbiegen. Ich halte eher das Internet für eine super Erfindung. Gab es eigentlich besonders ulkige Situationen auf der Bühne, wo Du beinahe nicht mehr hättest weitersingen können, vor lauter Lachen?

Marceese: Nee. Dafür bin ich zu sehr „dabei“, wie gesagt die Solo-Stücke ziehen mich schon ziemlich in ihren Bann. Mit der Band kam so etwas schon mal vor. Bei einem Gig hab ich einmal den Text vergessen, da hab ich einfach ein Gitarren-Solo gespielt und den Jungs ein Zeichen gegeben, dass es diesmal keine Strophen geben wird.

Albumcheck: Wie geil. Ein Lied ohne Strophen. Ich hoffe die Zuschauer haben es nicht bemerkt. Gibt es Künstler, mit denen Du gern zusammenarbeiten würdest?

Marceese: Dave Grohl scheint mir ein angenehmer Geselle zu sein, außerdem würde es sich in meiner Bio ganz gut lesen, wenn ich schon was mit Jimmy Page, Bob Dylan oder Rick Rubin gemacht hätte.

Albumcheck: Haha, da gebe ich Dir recht. Wer würde nicht gern mit dem Meister Bob Dylan zusammen arbeiten. Ein Interview mit ihm würde sich sicherlich auch auf unserer Internetpräsenz gut machen. Aber zurück zum Thema: Du lässt auch sozialkritische Texte anklingen. Wieso?

Marceese: Weil ich dafür Worte gefunden habe. Mich nervt der ganze Medienscheiß total, die komplette Volks-Verblödung. Das muss man irgendwie ändern, aber es wird nur noch schlimmer! Ich hoffe ich werde noch viele sozialkritische Songs zustande bekommen. Ton Steine Scherben!

Albumcheck: Ja, die mediale Volksverdummung ist schon ein Phänomen. Viele Menschen beschweren sich darüber. Es ist schön, dass Du Deinen Beitrag dazu leistest, damit es nicht mehr ganz so schlimm ist. Viele Deiner Texte sind etwas verträumt. Würdest Du Dich eher als Romantiker oder Realist betrachten?

Marceese: Beides, wobei Letzteres wohl ausgeprägter ist. Ist doch schön, wenn man jemanden hat den man seine Zuneigung in einem Lied präsentieren kann. Aber verträumt finde ich das alles gar nicht, ehrlich gesagt.

Albumcheck: Ich bewundere es, wenn Künstler ihre Gefühle in Liedern ausdrücken können. Wir sind nur einfache „Schreiberlinge“. Dennoch können wir „nur“ unsere Gefühle niederschreiben. Hinzu kommt natürlich, dass Komponisten (also auch Du) die Titel schreiben und spielen. Der Hörer interpretiert immer seine eigenen Erlebnisse darin und identifiziert sich damit. Aber wem sag ich das. Die Songs „Es regnet kaum“ und die „Ballade von Pauli“ sind sehr beeindruckend emotional. Hattest Du dafür eine reelle Vorlage?

Marceese: Ja, alle Songs basieren auf erlebtem. Ich singe ja nicht von Einhörner und Elfen, verstehst du? Schön, dass du diese beiden genannt hast. „Es regnet kaum“ ist einer meiner Favoriten auf dem Album, gerade weil die Geschichte und der Gedanke mir das Herz brechen. Jedes mal.

Albumcheck: (lacht) Wie Du vielleicht in unseren Anspieltipps gelesen hast, sind sie auch unter meinen/ unseren Favoriten. Dein Album wird vorerst nur als download erhältlich sein. Hat dies einen besonderen Hintergrund?

Marceese: Am liebsten wäre mir eine Vinyl-Version, weil ich finde, dass Musik und Artwork untrennnbar voneinander zu betrachten sind. Der eigentliche Hintergrund ist, dass ein Label kurzfristig abgesprungen ist und ich das Album endlich veröffentlichen wollte. Nun bin ich beim befreundeten MondoPressBerlin, die auch schon mein Debüt „Blood For Blood“ (2010) veröffentlichten.

Albumcheck: Da hast Du es ja ziemlich eilig gehabt. Es scheint als wärst Du und die akkustische Gitarre miteinander verschmolzen und ihr hättet eine „gute Beziehung“ zueinander. Viele Künstler geben ihren Instrumenten einen Namen. Hast Du auch einen Namen für Deine Gitarre gewählt?

Marceese:Wir haben eine hervorragende Beziehung, kann ich Dir sagen. Einen Namen habe ich ihr nicht gegeben, sie kommt ja eh nicht wenn ich sie rufe – haha. Nee, aber ich finde es schon unglaublich beruhigend sie in meiner Nähe und griffbereit zu wissen. Da kann ich schnell sehr unausgeglichen werden.

Albumcheck: (lacht) Meine Spülmaschine heißt Esmiralda und sie kommt auch nicht, wenn ich sie rufe. Dafür kann sie auf Knopfdruck spülen. (lacht) Könntest Du Dir vorstellen, anstatt auf der Gitarre Deine Lieder beispielsweise auf dem Klavier zu komponieren?

Marceese: Eine tolle Vorstellung. Leider kann ich Tasten absolut nicht bedienen. Aber ich habe einen verdammt guten Mann an der Hand, der auch auf dem Album und teilweise live zu hören ist. Ich plane eine EP nur mit Klavier und Gesang. Bin selber sehr gespannt, wie das wohl klingt.

Albumcheck: Tröste Dich, wir können auch nur die Tasten auf dem Mac bedienen. Allerdings freuen wir uns schon auf die geplante EP. Vielen lieben Dank für das Interview.

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