Lifelines von Andrea Corr

Weitreichend und doch intim,  erwachsen und doch verletzlich – Andrea Corrs neues Album ‘Lifelines’ bedeutet einen großen künstlerischen Schritt nach vorne für die mit vielfachen Platin-Verkäufen verwöhnte irische Sängerin.

Für manche ist sie eine internationale Popsängerin mit der Fähigkeit Stadien zu füllen, für andere ist sie eine weltweit erfolgreiche, doch unüberhörbar irisch geprägte Künstlerin. Mit ihrem neuen Soloalbum ‘Lifelines’ zeigt sich Andrea Corr vor allem als leidenschaftliche Musikerin. Ein facettenreiches Album mit verschiedenen Coverversionen, und einer seltenen Mischung aus Intelligenz und tief empfundener Emotion, die sich mühelos und ehrlich zwischen verschiedenen Genres und musikalischen Stilen bewegt.

‘Lifelines’ ist Andrea – verletzlich, roh und authentisch singt sie eine sorgfältig zusammen gestellte Auswahl von Songs, die ihre Persönlichkeit und ihre Vorlieben widerspiegeln. Von der Leadsängerin der Corrs erwartet man nicht unbedingt Coverversionen von Velvet Underground, Ron Sexsmith oder Blue Nile, aber dies ist ein Album, das durch kompromisslose musikalische Seitensprünge künstlerische Festlegungen ins Wanken bringt. Das Hauptaugenmerk während der Aufnahmen lag auf Andreas Gesang und auf ‚Lifelines’ begegnet uns die irische Künstlerin vielseitiger als je zuvor, mit druckvoller Stimme von einem Umfang, der ihre bisherigen Aufnahmen weit übertrifft.

Andrea Corr: „’Lifelines’ war die angenehmste Arbeitserfahrung, die ich je hatte. Wir haben in aller Ruhe gearbeitet und es war ein sehr authentisches Erlebnis. Alles passierte hinter verschlossenen Türen und ich blieb vollkommen in die Arbeit vertieft. Wenn man Songs anderer Leute singt, hat man die Chance einfach Sänger zu sein und nichts sonst. Ich konnte nur Interpretin sein. Darin liegt eine große Freiheit.“

Das Album hat sehr von der Teamarbeit profitiert, die im Wesentlichen durch die Anwesenheit von Brian Eno und John Reynolds unterstützt wurde. Wie viele erfolgreiche künstlerische Gemeinschaftsarbeiten kam auch dieses Album durch eine zufällige Bekanntschaft zustande. Während der Aufnahmen zu einem Tribute-Album für die späte irische Folk-Legende Ronnie Drew, machte ein gemeinsamer Freund Andrea mit dem berühmten Produzenten John Reynolds bekannt. John, der zuvor mit Künstlern wie U2, Sinead O’Connor, Damien Dempsey und anderen zusammen gearbeitet hatte, war schon seit einiger Zeit fasziniert von Andreas musikalischen Fähigkeiten. Er sprach mit ihr über die Unverwechselbarkeit ihrer Stimme, deren Klang, die Wärme die sie ausstrahlte und die Intimität die sie herzustellen vermag. John und Andrea begannen über Songs zu sprechen – und über eine Zusammenarbeit.

Davor hatte Andreas Leben eine andere Richtung eingeschlagen, nachdem sie 2005 eine Auszeit von den Aufnahmen und Tourneen mit den Corrs genommen hatte. Sie brauchte Zeit, um ihre Karriere als Schauspielerin mit Bühnen- und Filmrollen bei den Kritikern durchzusetzen. The Irish Times nannte ihre Darstellung der Jane Eyre am Gate Theatre in Dublin „leidenschaftlich und aufrichtig”. Am Old Vic spielte sie in Brian Friels Dancing at Lughnasa, was The Daily Telegraph als „beachtenswertes Bühnendebüt” beschrieb, während die Times sie als Darstellerin lobte, die sich „die Wollsocken wegspielt“. Variety nannte ihre Darstellung „stark” und „von großer Strahlkraft”.

Andreas große künstlerische Liebe ist und bleibt jedoch die Musik. 15 Jahre lang war sie Teil der größten Folk-Rock-Familienband der Welt, die in vielen Ländern Platinstatus erreichte und insgesamt mehr als 60 Millionen Tonträger verkauften.

Doch um Andreas Leidenschaft für den Gesang neu anzufachen, brauchte es die Idee zu einem Album mit großen Coversongs einiger der angesehensten Künstler des Musikgeschäfts. Doch ‚Lifelines’ ist alles andere als ein schnell zusammen gestückeltes Coveralbum. Es kamen nur Songs auf das Album, die jeder für sich eine starke persönliche Bedeutung für Andrea haben.

Andrea Corr: „Vor der Aufnahme dieses Albums war ich mit Dingen wie Französisch lernen und Schauspielern beschäftigt, und dann traf ich John Reynolds. Ich war ein wenig desillusioniert, weniger von der Musik als von der Musikindustrie, und hatte beschlossen, mich nicht mit Musik zu beschäftigen, bevor ich wieder richtiges Interesse dafür entwickelt hätte. Aber es ist schon merkwürdig, wenn du etwas wirklich loslässt, zieht es dich direkt zurück. Gerade als ich darüber nachdachte, mich für eine Weile von der Musik zu distanzieren, holte mich John zu ihr zurück und ich bin sehr froh darüber. Ich besuchte ihn zu Hause und wir unterhielten uns über Gesang -und da ging es eigentlich schon wieder los.“

Nach diesem Treffen mit John entwickelte sich geradezu organisch ein Songbook, das sich mit Ideen von Leuten wie Brian Eno (der als Koproduzent bei diesem Album mitarbeitete) und Gavin Friday auseinandersetzte. Das Zentrum dieses Albums ist ganz klar Andreas Stimme – reduziert, bloßgelegt und authentisch. Einige der Songs dieses Albums standen sofort fest, wie der Roy- Orbison-Klassiker ‚Blue Bayou’, der eine ganz persönliche Bedeutung für Andrea hat. Sie erzählt: „Meine Eltern hatten eine Band, die ‘The Sound Affair’ hieß und damit tourten sie eine Weile. Am Wochenende spielten sie oft in einem Pub. Daddy spielte Keyboards und Mommy sang. Sie gingen in ihrem Leben nur einmal für eine Aufnahme in ein Studio und einer der Songs, die dabei entstanden, war ‘Blue Bayou.’ Deshalb wollte ich den Song dabei haben.”

Auch Harry Nilssons Song ‚Lifeline’ hat eine ganz persönliche Bedeutung für Andrea: „Das ist eins der ergreifendsten Musikstücke, die ich je gehört habe. Mit 12 oder 13 Jahren schaute ich mit meinen Eltern den Film ‚Midnight Cowboy’ im Fernsehen an. Nach dem Film meinte der Fernsehansager, man sollte dranbleiben, weil das folgende Programm etwas ganz Besonderes sei. Was dann kam, war eine der seltenen Aufnahmen eines Harry Nilsson-Auftritts bei der BBC von 1972. Es ist mir im Gedächtnis geblieben, weil er als unbequemer Live-Performer galt und sich dann bei diesem Auftritt nicht scheute, Witze über genau diese Tatsache und sich selbst zu machen. Aber neben allem Spaß seiner Perfomance waren doch seine Lieder das Wichtigste. Und sie haben mich immer begleitet, besonders die Rhythmen seines Songs ‚Lifeline’ habe ich nie vergessen.“

Zu den weiteren Coversongs gehören der John Lennon-Song ‚No.9 Dream’ und Kirsty McColls ‚They Don’t Know’. Der erste Song, den Andrea für das Album aufnahm, war Daniel Johnstons ‚Some Things Last a Long Time’ und auch der Blue Nile-Klassiker ‚Tinseltown In The Rain’ ist in einer Corr-Version zu hören.

Das Album entstand abseits des Medienrummels, frei von kommerziell bedingten Fertigstellungsterminen oder Druck von Seiten der Industrie. Es ist ohne Frage bis heute Andreas nachdenklichstes und persönlichstes Album geworden. Es ist eine Sammlung von Songs, die ihr emotional wichtig sind, ganz natürlich gesungen – einfach so wie sie sie singen wollte.

Der Sound ist voller Zuversicht und Verletzlichkeit zugleich, vielleicht eine Reflexion des status quo ihrer Entwicklung als Sängerin. Die Aufnahmen sind ehrlich, mit leichter Hand produziert und dabei sehr persönlich. Andrea meint dazu: „Ich mache mir keine Sorgen wegen der Kommerzialität des Albums. Es ist eine ganz einzigartige und organische Aufnahme. Alles ist echt gespielt, man kann die Pedale hören und sich die Musiker im Raum vorstellen, wenn man die Augen schließt. Ich finde die Produktion sehr schön und wirklich bewegend. Vielleicht fühle ich mich nicht unter Druck, weil ich es nicht selbst geschrieben habe und das kann man hören. Es klingt genau so, wie es klingen soll.“

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Andrea weiter: „Als Jugendliche habe ich ständig Musik gehört – als erstes am Morgen vor der Schule und sofort wieder wenn ich zu Hause war. Musik ist einer der wenigen Orte zu denen du durch deine Gedanken reisen kannst, dich selbst dabei vergessen und jemand anderes werden. .Musik kann einen Moment zur Ewigkeit werden lassen. Sie erlaubt dir, vergangene Gefühle neu zu beleben, indem du einen bestimmten Song wieder hörst. Plötzlich bist du wieder genau dort…verliebt, todunglücklich, verloren, wieder gefunden und wieder verloren. Lifelines.”

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